Altes Gymnasium Oldenburg

Eike in Australien

Print Friendly

Australien – warum eigentlich Australien? Ich habe selber keine Ahnung warum ich vor ungefähr 1 ½ Jahren genau dieses Land zu meinem neuen temporären Zuhause auserkoren hatte, doch nach einem halben Jahr kann ich beruhigt sagen, dass es eine der besten Entscheidungen war, die ich in meinem Leben getroffen habe.

Wie könnte ich Australien beschreiben? Erst vor wenigen Tagen habe ich im Internet eine „Weltkarte der Vorurteile“ entdeckt auf dem auch meine zweite Heimat zu finden war. Laut Google sind die Einwohner von ‚Downunder’ extrem ‚gastfreundlich’, ‚sportfanatisch’ und sehr ‚direkt’. Ich denke alles davon trifft sehr genau zu, dennoch kann es die Mentalität dieses Volkes nicht ganz erfassen. Australier sind einfach ‚unkonventionell’ wenn man es so ausdrücken mag. Vor einigen Tagen hatte ich eine Diskussion mit meinem Gastvater, in der er einen Aspekt der Mentalität gut beschreiben konnte: „Australians“, sagte er, „don’t think about the consequences. They just know something will happen – but what exactly, well, we will find out eventually!“

Diese Einstellung spiegelt sich im ganzen Land wieder, übrigens einem Land, von dem ein Reisender nur träumen kann: von den heißen Tropen am ‚Top End’, über Wüsten in ‚Central Australia’ und traumhaft schöne Strände an der ‚Eastcoast’, bis hin zu den Surfspots in ‚North Sydney’ und dem kalten Tasmanien, wo arktische Winde das Leben gestalten – nirgends auf der Welt gibt es solch eine Vielfalt auf einem einzigen Kontinent und doch dieses Gefühl von ‚einem’ Australien. Ich persönlich wünschte mir ich könnte mir für einige Monate frei nehmen und herumreisen – es gibt einfach zu viel zu sehen und erleben! Obwohl ich gerade erst von einer zwanzig Tage Reise nach Sydney und Tasmanien wiedergekommen bin und gegen Ende letzten Jahres einen zwei Wochen in Queensland an der Ostküste verbracht habe, habe ich auf keinen Fall das Gefühl nur 1/10 dieses Landes gesehen zu haben – was ist mit den Surfspots in Perth, Uluru in Alice Springs, das MCG in Melbourne, die Weinhügel von Adelaide, die Opalstadt Cooper Pede, die Kimberley Mountains in WA, Tauchen am Great Barrier Reef, ‚The Great Ocean Road’ in South Australia, die Regenwälder von Northern Queensland oder die Hippie-Surf-Stadt Byron Bay…? Ich für meinen Teil werde dieses Jahr noch einige Reisen unternehmen – zu meiner Freundin in Perth und nach Alice Springs zum Ayers Rock – und auf jeden Fall in dieses wundervolle Land zurückkehren…

Ich empfehle jedem Austauschschüler, der die Möglichkeit und die Mittel dafür hat, die Angebote der Organisation wahrzunehem. In meinem Fall bietet EF drei Reisen – nach Queensland, Tasmanien und Alice Springs – an, von denen ich die ersten beiden gemacht habe. Warum ich das besonders erwähne? Auf diesen Fahrten lernt man so viele neue Freunde und Kontakte kennen, nicht nur in Australien sondern auch im Ausland wie Japan, die Niederlande oder eben Deutschland. So habe ich meine Freundin kennengelernt, neue Freunde in den eben erwähnten Ländern gemacht und könnte in jede größere Stadt in Australien fahren, ohne mich darum zu sorgen wo ich bleiben muss, da entweder Gastfamilien von (Austausch-) Freunden oder andere Australier wie unser Hippie Tourguide, Jo, aus Tasmanien oder die Freundin meines Gastbruders in Melbourne mich bereits eingeladen haben. Um es an einem Extrembeispiel fest zu machen: Bereits zweimal habe ich mich im Flugzeug (!) mit sehr netten jungen Familien unterhalten und wurde eingeladen nach Sydney zu kommen and wenn ich irgendwo bleiben wolle – „no worries, you can stay at our place – just give us a ring“ Ich denke nicht dass so etwas jemals in Deutschland passieren könnte…

Habe ich eigentlich schon erwähnt, wo ich wohne? Nein, noch nicht – und ich glaube, es ist auch sehr verschieden zu dem Rest von Australien, denn Darwin liegt in den Tropen am nördlichen Ende des Kontinents und ist umgeben von Wüste, Mangroven und sandigen Bergen, eine Stadt etwas kleiner als Oldenburg, aber weiter ausgebreitet und … heißer! Seit sechs Monaten nun schlage ich mich mit 30°C – 35°C und einer Luftfeuchtigkeit von 30 % bis 90 % herum und, um ehrlich zu sein, langsam geht mir der Sonnenschein auf den Keks – ich freue mich jedes Mal, wenn wir einen der großen (!) Stürme und die monsunartigen Regenfälle bekommen, da es dann nur noch um die 24°C warm ist. Die Leute hier holen dann die dicken Decken raus, da sie frieren…

Um noch ein wenig über Darwin zu erzählen, die Stadt hat vor 5 Jahren den Guiness World Rekord für konsumiertes Bier per Kopf pro Jahr gehalten, mehr als in Deutschland – und das mag was heißen! Wenn man nicht 18 ist, so wie ich, oder keinen gefälschten Ausweis hat, ist Darwin relativ langweilig, da wegen der Wärme trotz Sportfanatismus wenig Leute überhaupt irgendwas machen und sich lieber ‚Footy’ (Australian Football Rules) angucken, sei es im Fernsehen oder Live – wobei es eigentlich keinen Unterschied macht, da sich die Leute an beiden Orten zusammenfinden natürlich, wer hätte es erwartet, mit einem kühlen Bier in der Hand! Auf der anderen Seite ist die Umgebung von Darwin ideal zum Angeln, weswegen viele Leute auch ihr eigenes Boot haben sowie ein großen Four-Wheel-Drive Jeep mit dem man auch mal in den Bush fährt und Campen geht. Besonders beliebt sind da Litchfield und Kakadu National Park. Ich hatte erwartet dass es hier an der Küste einen guten ‚surf’ geben würde, wie fast überall in Australien – gibt es auch, aber nur wenn die Cyclones an Darwin vorbei ziehen! Vor allem in der ‚Wet’ Season (von November – April, die ‚Dry’ ist von May – Oktober) kommen dann auch noch die Krokodile und die Jellyfish hinzu, die die Strände unsicher machen, neben den Haien, die das ganze Jahr über hier zu finden sind! Um auf die 18 Jahre zurückzukommen, oder eben den gefälschten Ausweis, warum denn das? Vielleicht erkläre ich es an einem Beispiel: Zwei Freunde die mittlerweile in Adelaide wohnen, sind, als sie hier in der Wüste gelebt haben, jedes Wochenende 800 Kilometer (!) nach Darwin gefahren – um Party zu machen! Soweit ich es beurteilen kann, ist meine Stadt, neben Brisbane und Surfer’s Paradise, die Stadt um auszugehen, etwas zu trinken und danach in den zahlreichen Clubs die Party fortzuführen. Und naja, wenn man nicht 18 ist, dann versucht man es trotzdem…oder geht zu den Hausparties, meist zu einem Haus, wo die Eltern temporär Urlaub machen und es vermutlich in Trümmern wieder finden werden – no I’m just kiddin’! Dennoch ist Darwin die Partystadt und meine Freunde in Adelaide haben es gut ausgedrückt: „Ha, you’re livin’ in Darwin – ya poor bugger! There isn’t much more to do than to party, party, party! People are just bored so they go out…!” Well, ich kann es nachvollziehen…

Doch was würde ich ohne meine Gastfamilie tun? Eigentlich habe ich gewissermaßen zwei, die jetzige, bei der ich bleiben werde und meine ‚Arrival’ Familie wo ich die ersten zwei Monate verbracht habe bis EF eine neue gefunden hatte. Beide sind unheimlich nett (wobei ich die erste als mehr lovely aber strict beschreiben würde und meine jetzige mich ausgehen lässt, aber mehr eine Gastfamilie ist) und obwohl ich bei der jetzigen wohne, nimmt mich meine alte noch immer mit zum Angeln oder lädt mich zum BBQ ein – wie gesagt: australische Mentalität! (übrigens das australische Ding – BBQ & Beer) Meine jetzige Family ist wirklich fantastisch, ich habe zwei Brüder, wobei der einzige, der noch hier wohnt, 17 Jahre ist – also ungefähr mein Alter – und mit dem ich mich wirklich gut verstehe. Mein anderen Gastbruder, 30, war zu Weihnachten da, da er in Melbourne lebt, wobei meine beiden Gastschwestern, auch beide um die 30, hier in der Nähe wohnen. Aber besonders meine beiden Gasteltern sind awesome – wer würde einen schon nach Bali zum Urlaub mitnehmen, einen Trip nach Ayers Rock planen, Hochseeangeln gehen und vielleicht nach Melbourne fliegen, um im MCG das Footy Match des Jahres, mit ca. 100.000 Zuschauern zu sehen? Wie gesagt meine ‚beiden’ Familien sind fantastisch…!

Vielleicht erinnere ich mich noch an etwas aus der Schule – wir hatten grade zwei Monate Ferien, in denen jede Erinnerung an Schule ausgelöscht wurde – mal sehen… Ich denke, australische Schulen sehen so aus, wie man sie in den ganzen Teen-America-High-School Filmen sieht: Spinds, relativ sterile Klassenräume, Gebäudeklotze aus einer Zeit, in der man anscheinend nicht auf Ästhetik geachtet hat – nur der Unterschied ist, dass Palmen am Eingang stehen und es absolut keine ‚hot chicks’ auf meiner Schule bzw. in ganz Darwin gibt… Die Lehrer sind generell alle jünger und wir haben einige sehr coole dabei, die man auch mal in der Bar sieht und die einem einen Drink ausgeben! Hmmm… der Stoff ist eigentlich nicht allzu schwer , auch nicht allzu einfach, ein gesundes Mittelmaß würde ich sagen. Auf meiner Schule aber, soweit ich es auch von anderen mitbekommen habe, auch in ganz Australien gibt es kaum Gruppenbildung, vielmehr ist es so, dass jeder mit jedem etwas macht – was einerseits von Vorteil ist, da man viele Leute kennenlernt, aber mir andererseits auch wirklich gute Freunde, mit denen man jeden Nachmittag was machen kann doch schon fehlen. Australier (jedenfalls in Darwin) haben alle eher lose Freundschaften und machen außer an Wochenenden, d.h. Parties und Ausgehen, doch eher wenig miteinander. Schule ist abgesehen von Year 12, in dem es um den Abschluss geht, eher ein sozialer Treffpunkt, an dem man zu den Parties eingeladen wird und Sachen für das Wochenende verabredet. Einen Ratschlag: Wenn an der Schule andere Fächer als in Deutschland angeboten werden sollten, würde ich auf jeden Fall empfehlen die auszuprobieren – so habe ich ein wirkliches Interesse an Photography entdeckt und werde dieses Jahr Adventure Tourism belegen – was basically Angeln, Tauchen, Kayaking und Abseiling heißt! Jede Jahrgangsstufe hat ‚ihren’ Tag, an dem man sich normalerweise nach der Schule zusammen im ‚Mall’ trifft und was isst, rumgeht, quatscht oder neue Sachen kauft – insbesondere in den Ferien hier in Darwin wird man mindestens einen aus dem Jahrgang dort treffen da es die nächste klimatisierte Zuflucht vor der Hitze ist!

Um es zukünftigen Austauschschülern in diesem fantastischen Land leichter zu machen, finde ich vielleicht noch ein paar Ratschläge:
- Auf jeden Fall sei offen für neue Lebensweisen, Eindrücke und Einstellungen – auch wenn das Leben auf den ersten Blick sehr ähnlich aussieht, ist es doch sehr verschieden. Auch wenn du mal keine Lust auf Sachen hast, die dir deine Freunde oder Gastfamilie anbieten – mach mit! Es wird am Ende immer besser sein als wenn du es nicht gemacht hättest!
- Reise! Es gibt so viele fantastische Plätze in Australien und es wäre schade, wenn du nur deine Stadt gesehen hättest – nimm, wie gesagt, die Angebote deiner Organisation wahr oder frag deine Familie. Du wirst so viele neue Leute und Orte kennen lernen und alles mag dir irgendwann später helfen an andere Orte wie zum Beispiel Japan oder auch in Australien zu reisen – und das echte Leben zu erleben!
- Meine Englischlehrerin hat mir einen guten Rat gegeben: „Be friends with everyone, but pick your best mates!“

Ich kann leider an nichts anderes mehr denken, aber der wirklich wichtige Ratschlag: Mach einen Austausch – du wirst so viel dazu lernen, was man in der Schule nicht kann! Und im besten Falle geh nach Australien!

Ich für meinen Teil werde wiederkommen – ganz sicher!

www.eike.de.gg für ein paar Eindrücke

Dies könnte Sie auch noch interessieren

  • Es wurde leider kein Artikel gefunden!

Empfehlen Sie diesen Artikel weiter: Diesen Artikel weiterempfehlen


« Zurück zu den Artikeln