Altes Gymnasium Oldenburg

Honecker-Putsch und Mauerfall – Vortrag von Günter Schabowski

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Es ist erstaunlich, wie kritisch Günther Schabowski seine eigene Position in der ehemaligen DDR beschreibt und wie er mittlerweile seine Fehler benennt. Günter Schabowski, heute 78 Jahre alt, gehörte zur obersten Führungsspitze der ehemaligen DDR. Er war Mitglied im Politbüro der SED. Die meisten verbinden mit Günter Schabowski den Mann, der am 9. November 1989 in einer legendär gewordenen Pressekonferenz die Maueröffnung verkündete.

Zum Abschluss der 2. Wissenschaftstage am AGO hielt Schabowski  einen größtenteils sehr bewegenden und stets fesselnden Vortrag. Der aktive Zeitzeuge beschrieb in seiner Rede zwei Szenen aus der Endzeit der DDR, an denen er maßgeblich beteiligt war. Mit Gleichgesinnten sorgte er für die Absetzung Erich Honeckers und versuchte so die DDR zu retten. Schabowski erzählte, dass in der entscheidenden Sitzung sogar Erich Honecker für die eigene Absetzung stimmte – gefangen in der kommunistischen Ideologie, die Mehrheit hat immer Recht.

Daneben schilderte Schabowski den Vorfall, der ganz Deutschland entscheidend verändern sollte, die Maueröffnung 1989. Als Ausweg aus der politischen Krise (Montagsdemos, löchrige Grenze zu Ungarn, überfüllte deutsche Botschaft in Prag) wollten die „Reformer“ um Schabowski ihren Landsleuten Reisefreiheit gewähren. Jedoch nicht, so Schabowski, aus Menschfreude, sondern nur „um Druck aus dem Kessel“ zu nehmen. Doch statt die Verlautbarung morgen früh um vier bekannt zu geben (wenn die DDR noch schläft), verlas Schabowski den Gesetzentwurf  versehentlich bereits abends auf einer internationalen, Pressekonferenz.

Innerhalb von einer halben Stunde verbreitete sich die Sensation über den Erdball. Menschen in Kapstadt, Melbourne oder Washington wussten es, nur nicht die Grenzer der DDR. Ein Wunder, so Schabowski heute, dass es damals zu keinem Schuss an der deutschen Grenze kam. Damals, betonte Schabowski, war er mit seinem Genossen Krenz wirklich der Auffassung so die DDR retten zu können. Heute vertritt er als einziger „Bekehrter“ die Ansicht, dass man eine solche Staatsform, wie die DDR sie gewesen ist, eine Diktatur,  nicht mit Reformen retten, sondern nur abschaffen kann.
Zwei Monate nach dem Mauerfall wurde er zusammen mit Krenz aus der SED ausgeschlossen. Diese Tatsache empfand er zuerst als „größte persönliche Niederlage“. Sie läutete aber den großen und unter SED-Funktionären einzigartigen Wandel seiner Weltanschauung ein.

In der anschließenden ausführlichen Fragerunde erzählte er außerdem von seiner Zeit im Gefängnis. Schabowski wurde wegen seiner Mitschuld für diverse Grenztode verurteilt aber vorzeitig begnadigt.
Günter Schabowski war als Referent bei einigen Besuchern durchaus umstritten. Sie sahen in ihm einen Verbrecher, der Großteil der Zuhörer jedoch als Zeitzeuge, der seine moralische Schuld und Mitverantwortung bekennt. Sie empfanden ihn als Highlight der AGO- Wissenschaftstage, was die endlich einmal gefüllte Aula bewies.

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