Zum Abschluss der 2. Wissenschaftstage am AGO hielt Schabowski einen größtenteils sehr bewegenden und stets fesselnden Vortrag. Der aktive Zeitzeuge beschrieb in seiner Rede zwei Szenen aus der Endzeit der DDR, an denen er maßgeblich beteiligt war. Mit Gleichgesinnten sorgte er für die Absetzung Erich Honeckers und versuchte so die DDR zu retten. Schabowski erzählte, dass in der entscheidenden Sitzung sogar Erich Honecker für die eigene Absetzung stimmte – gefangen in der kommunistischen Ideologie, die Mehrheit hat immer Recht.
Innerhalb von einer halben Stunde verbreitete sich die Sensation über den Erdball. Menschen in Kapstadt, Melbourne oder Washington wussten es, nur nicht die Grenzer der DDR. Ein Wunder, so Schabowski heute, dass es damals zu keinem Schuss an der deutschen Grenze kam. Damals, betonte Schabowski, war er mit seinem Genossen Krenz wirklich der Auffassung so die DDR retten zu können. Heute vertritt er als einziger „Bekehrter“ die Ansicht, dass man eine solche Staatsform, wie die DDR sie gewesen ist, eine Diktatur, nicht mit Reformen retten, sondern nur abschaffen kann.
Zwei Monate nach dem Mauerfall wurde er zusammen mit Krenz aus der SED ausgeschlossen. Diese Tatsache empfand er zuerst als „größte persönliche Niederlage“. Sie läutete aber den großen und unter SED-Funktionären einzigartigen Wandel seiner Weltanschauung ein.
In der anschließenden ausführlichen Fragerunde erzählte er außerdem von seiner Zeit im Gefängnis. Schabowski wurde wegen seiner Mitschuld für diverse Grenztode verurteilt aber vorzeitig begnadigt.
Günter Schabowski war als Referent bei einigen Besuchern durchaus umstritten. Sie sahen in ihm einen Verbrecher, der Großteil der Zuhörer jedoch als Zeitzeuge, der seine moralische Schuld und Mitverantwortung bekennt. Sie empfanden ihn als Highlight der AGO- Wissenschaftstage, was die endlich einmal gefüllte Aula bewies.
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