Altes Gymnasium Oldenburg

Ramona Brenneke in New Hampshire, U.S.A.

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Am Ende der 9. Klasse war ich fest entschlossen, für ein Jahr ins Ausland zu gehen. Nach langen Diskusionen und Gesprächen mit meinen Eltern entschieden wir, dass ich für ein Jahr in die U.S.A. gehen kann. Darauf folgten einige Stunden mit Bewerbung ausfüllen und zu versuchen, mich und mein Leben zu beschreiben. Nach einem Bewerbungsgespräch bei ICX war ich fest im Programm. Nun musste ich auf meine Gastfamilie warten, die Anfang Juni dann endlich kam. Die Freude war groß und sofort nahmen meine Gastfamilie und ich Kontakt auf. Dieser war sehr rege bis zu meiner Abfahrt Anfang August. Nun ging es endlich los. Das erste Mal über den großen Teich, in die Staaten; ich war sehr aufgeregt. Am Flughafen wurde dann klar, wie lange ein Schuljahr wird. Es war hart meiner weinenden Familie den Rücken zuzukehren und die Heimat zu verlassen, doch es wartete ein Abenteuer auf mich.Die ersten zwei Tage im Land der unbegrenzten Möglichkeiten verbrachte ich mit vielen anderen Austauschschülern aus aller Welt in New York City bei einem Einführungsseminar. Dieses beinhaltete einen Tag Seminar mit allen Informationen zum Austauschschüler sein und dem amerikanischen Leben. An diesem Tag war die Stimmung eher gedrückt, denn jeder wusste, dass wir nicht wieder in unsere Heimat konnten, aber keiner wusste, was sie in den nächsten Tagen erwartete. Am zweiten Tag ging es dann nach Manhattan. Dort gab es eine Rundtour, bei der viele bekannte Plätze abgehakt wurden – Empire State Building, Central Park, Times Square, China Town, Ground Zero, und eine Bootstour, von der aus man die Statue of Liberty, die Brooklyn Bridge und Manhattan wunderbar sehen konnte. Am nächsten Morgen ging es dann für alle Schüler in alle Richtungen.

„Welcome to New Hampshire“ Mein Gastvater begrüßte mich am Flughafen in Manchester, NH. Nach der Ankunft in Enfield, einem kleinen Dorf, umringt von Bergen im Westen des Staates, gab es Dinner mit meinen Gasteltern und einem meiner Gastgeschwister. Fragen und Antworten gingen hin und her. Danach nahm mich mein Gastvater mit auf eine kleine Tour durch die Gegend. Es war alles sehr ländlich und schön. Ich hatte es mir nicht ganz so hügelig vorgestellt, doch ich war nur positiv überrascht. Das erste Wochenende haben meine Gastfamilie und ich zu Hause verbracht und haben uns viel erzählt.

Meine Gastfamilie bestand aus meinen Gasteltern und vier Gastgeschwistern, die alle schon erwachsen sind. Doch meine beiden jüngsten Gastgeschwister haben das Jahr über zu Hause gewohnt und die anderen beiden haben mit ihren Familien relativ nah dran gewohnt. Ich hatte kein Problem, dass ich die jüngste war und auch in der Schule war es kein Problem für mich, dass ich keine Geschwister hatte. Die Jüngste von den Geschwistern fand es sogar sehr toll, dass ich da war, denn so hatte sie endlich ihre kleine Schwester, die sie immer haben wollte, aber nie hatte.

Die Schule fing erst zwei Wochen nach meiner Ankunft an, doch Field Hockey fing schon an meinem ersten Montag an. So konnte ich schon vor Schulstart Leute kennenlernen und sehen, mit wem ich zusammen Kurse hatte. Ich wurde sehr freundlich aufgenommen und habe es sogar geschafft, für das Varsity Team zu spielen. Es war eine große Sache, denn das Field Hockey Team meiner Schule war eins der Besten in ganz New Hampshire. Das Training war hart, und jeden Tag sind wir 1,5 km gelaufen und haben viel Konditionsüben gemacht. Es wurde jeden Tag für zwei Stunden trainiert. Wir haben uns auch oft mit dem Team getroffen zum Grillen oder Videoabend.

Als dann die Mascoma Valley Regional High School wieder ihre Türen öffnete, kam es mir so vor, als wenn alle mich schon kannten. Ich lief über den Flur und Leute, die ich noch nie gesehen hatte, grüßten mich und sprachen mich mit Namen an. Ich lernte auch die anderen Austauschschüler von meiner Schule kennen. Sie kamen auf Russland, Somalia, Serbien und noch einer aus Deutschland. Untereinander haben wir Erfahrungen ausgetauscht und uns gegenseitig geholfen – alles auf Englisch. Meine Lehrer waren sehr freundlich und haben mir im seltenen Fällen gerne nochmal etwas erklärt, wenn ich etwas auf Grund der Sprache nicht verstanden habe – ansonsten ist die Schule sehr einfach in den U.S.A. Schule war immer von 8 bis 15 Uhr. Danach war Field Hockey Training bis um 17 Uhr. Im Winter habe ich in der Schule keinen Sport getrieben, denn ich war viel Ski fahren mit meiner Gastfamilie und Freunden. Im Frühling habe ich einen sehr amerikanischen Sport gespielt. Softball wollte ich lernen und die Regeln (!) verstehen.

Meine Gasteltern haben mir über das Jahr viel von der Gegend gezeigt. Wir sind viel in New Hampshire und Vermont herum gefahren und haben Plätze besucht. Die Highlights waren Boston, MASS und Montreal in Canada. Im Mai haben wir eine große Reise unternommen – auf die Bahamas. Dort haben meine Gasteltern, meine Gastschwester und ich sieben schöne Tage verlebt.

Dann ging das Jahr sehr schnell zu Ende… doch nicht ohne noch zwei sehr amerikanische Ereignisse. Prom und Graduation standen noch an. Für Prom war ich schon Monate vorher mit Freunden einkaufen und habe mir ein Kleid gekauft. Prom ist eine sehr große Sache in den Staaten; alle ziehen sich schick an und der Abend ist Thema für Wochen vorher und nachher. Ich bin mit meinen Freunden vorher essen gegangen und dann sind wir alle gemeinsam zu der Feier hingefahren. Es wurden viele Fotos gemacht und King und Queen wurden gewählt.

Graduation war auch ein sehr großes Ereignis in dem kleinen Ort. Die Schüler der Abschlussklasse hatten sich auf diesen Tag schon seit Monaten gefreut und passend zur Feierlichkeit schien die Sonne und der Himmel war strahlend blau. Auch ich durfte an der Zeremonie teilnehmen, obwohl ich eigentlich kein Senior war. Also marschierte ich mit „Cap and Gown“ über das Sportfeld und bekam mein (unechtes) „Diploma“. Mein Gastbruder nahm sich für diesen besonderen Tag von der Arbeit frei und beobachtete alles genau und erinnerte sich wieder an seinen High School Abschluss einige Jahre zuvor an gleicher Stelle. Auch meine Gasteltern waren anwesend und haben sich mit mir gefreut und viele Fotos von mir und meinen Freunden geschossen.

Musikalisch war ich sehr aktiv. Als ich das erste Mal Band ( Bläserorchester, wie ein Schulfach ) hatte, musste ich meinem Musikleiter und Band director etwas auf meiner Klarinette vorspielen, damit er wusste, wie er mich einsetzten konnte. Am nächten Morgen wurde ich in mein neues Amt als Section Leader für die Klarinette eingeführt. Wir haben über das Jahr drei Konzerte in der Schule gegeben, und zum Memorial Day wurden wir eine Marching Band, mit der wir die Straßen des Ortes mit Musik gefüllt haben. Im Frühling wurde ein Musical in der Schule aufgeführt, für das ich auch im Orchester spielen durfte. Dafür wurden nur einige Schüler gefragt. Ich war total überwältigt, für so etwas gefragt worden zu sein, zumal ich noch nie ein Musical begleitet habe. Mit meiner Gastmutter war ich in einer Community Band. Die Upper Valley Community Band bestand aus Leuten allen Alters und aller Berufe, doch was uns verband war die Liebe zur Musik. Einmal in der Woche war Probe und es gab zu Weihnachten und im Frühjahr ein Konzert. Die Lieder waren immer sehr anspruchsvoll und flott. Im Juni sind wir ganz nach Boston gefahren, um dort in Faneuil Hall zu spielen. Dieses war eine große Ehre, denn nur sechs Community Bands aus den ganzen New England States werden jährlich eingeladen.

Auch wenn ich nun kaum glauben kann, dass dieser Traum in Erfüllung gegangen ist und dass nun schon wieder vorbei ist, bin ich sehr glücklich, ein Jahr in New Hampshire verbracht zu haben. Ich habe es zu keinem Moment bereut und würde es jeder Zeit wieder tun. Nun habe ich nicht nur ein Jahr eine tolle Zeit gehabt, ich habe in meiner Gastfamilie und einigen Freunden in der Schule Freunde für das Leben gefunden und ich weiß immer ich habe ein zu Hause in einem anderen Land, wo ich jeder Zeit auftauchen kann. Nun schreibe ich viele E-Mails mit meiner Gastfamilie und zwei meiner besten Freunde aus der Schule. Und alle warten, bis ich wieder nach New Hampshire komme – besonders meine älteste Gastschwester, die mich als Au Pair für ihre kleine, wachsende Familie am liebsten gleich da behalten hätte.

ICX ist eine kleine sehr persönliche Organisation aus Oldenburg. Ihr Sitz ist in der Bahnhofstr. 16-18, 26122 Oldenburg und auch unter www.icxchange.de im Internet zu finden.

~ Live free or die ~

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