Altes Gymnasium Oldenburg

Jörn Kramer – Ein Jahr in Minnesota

Seit ich von der Möglichkeit wusste, ins Ausland gehen zu können, stand es für mich nie in Frage, dass ich diese Möglichkeit auf jeden Fall nutzen würde. Meine einzige Überlegung bestand darin, ob ich ein ganzes oder nur ein halbes Jahr gehen würde. Doch nachdem ich von verschiedenen Austauschorganisationen gehört und in Heften und Büchern gelesen hatte, dass es auf jeden Fall besser wäre, ein ganzes Jahr zu gehen, entschied ich mich auch für das ganze Jahr in den USA. Und ich kann diesen Rat nur so weitergeben. Ich hätte es, glaube ich, wirklich bereut, nach dem halben Jahr, als ich mich perfekt in die Familie und Freundeskreis eingelebt hatte, wieder hätte gehen müssen.

Nach der Anmeldung bei EF begann dann das Warten auf die Bekanntgabe meiner Gastfamilie, was sich bei mir länger gestaltete als üblich. Mein Flug wurde also auf etwas später verschoben und zwei Wochen vor dem Abflug wusste ich immer noch nicht, wo ich das Jahr lang in den USA bleiben würde. Ich wusste nur, dass es irgendwo in Minnesota sein würde. Dann, kurz vor dem Abflug, wurde dann doch noch „Willkommensfamilie“ genannt, mit der ich gleich einen email-Kontakt aufbaute; die Familie schien genau die richtige zu sein.

Youth Group

Ein paar Tage später dann stand ich völlig übermüdet am Flughafen in Fargo, doch ich hatte die Anweisungen und Tipps, die ich auf den Vorbereitungstreffen bekommen hatte, nicht vergessen: Immer schon lächeln, die Gastfamilie herzlich begrüßen. Und da standen sie auch schon. Herzlicher, als man es von irgendwo in Deutschland gewöhnt ist, begrüßten sie mich, als würden sie mich schon eine Ewigkeit kennen. Doch waren sie zu dem Zeitpunkt ja „nur“ die Willkommensfamilie, die mich nur für ein paar Wochen nehmen wollte, bis dann eine „richtige“ Gastfamilie für den Rest der Zeit gefunden war. Ungefähr eine Woche später jedoch gaben sie mir fröhlich bekannt, dass sie mich „behalten“ wollten, worauf ich die ganze Zeit, die ich bei ihnen gewesen war gehofft hatte. Sie waren einfach die Familie, bei denen ich das Jahr über einfach glücklich sein würde. Und so war es dann auch.

Dazu kam, dass sie auch schon Erfahrung mit Austauschschülern hatten. Erst letztes Jahr hatten sie einen Jungen aus Deutschland gehabt essen Schwester ich dann auch kennenlernte als Gastschwester meines besten Freundes. Sie halfen mir auch sofort mit der Anmeldung zu meinen Schulfächern und Sportarten, und meldeten mich bei der Fahrschule an. Schließlich, was ich natürlich nicht wusste, dauert es ungefähr sieben Monate, nach Theorie und sechs Monaten begleitetem Fahren, bis der volle Führerschein ausgeschrieben wird. Die Zeit war also knapp, da ich ja nach zehn Monaten auch schon wieder nach Deutschland fliegen würde. Doch alles funktionierte wunderbar, pünktlich um „Prom“, dem Abschlussball am Ende des amerikanischen Schuljahres, hatte ich meinen Führerschein und konnte mein „date“ mit dem Auto abholen, wie sich das gehörte.
Kurz nachdem ich angekommen war, hatte ich auch schon mit Cross Country angefangen, 5 km Langstreckenrennen quer durchs Land. Und dies nahm mir eigentlich auch alle Aufregung vor dem ersten Schultag, da ich da schon jede Menge Bekanntschaften und Freunde vor dem eigentlichen Schulstart gemacht hatte. Die Amerikaner sind einfach sehr offen, kamen auf mich zu, und stellten sich vor als sie michahen. Was sich als wirklich wichtig herausstellte, um Kontakte zu knüpfen, war der Sport. Es dreht sich in den amerikanischen Schulen infach vieles um School Spirit, und Sport.

Cross Country

Die Schule an sich ist um einiges leichter als Schule hier. Arbeiten bestehen meistens aus multiple choice oder matching Fragen, und Arbeitszettel, die genauso aufgebaut sind wie der Test am Tag danach sind keine Seltenheit. So war ich auch in den schwersten Kursen besser als die meisten meiner Mitschüler, ohne etwas außer Hausaufgaben, die immer eingesammelt werden, dafür zu tun. Die konnte ich dann teilweise auch während der Schulzeit erledigen, was auch nützlich war, weil nach der Schule gleich das Cross Country Training folgte und später im Frühling dann Tennis und ich so in der Woche erst nach 7 Uhr wieder zu Hause war. Dazu kam, dass wir auch samstags noch Training hatten und natürlich Wettkämpfe, die manchmal bis spät in den Abend andauerten und auch am Wochenende stattfanden. Aber ich gewöhnte mich doch schnell daran und nach einer Weile war dieser Tagesablauf einfach normal für mich.

Der kalte Minnesota Winter folgte dann nach dem Ende der Cross Country Saison mit Temperaturen von bis zu -35°C. Doch auch daran gewöhnte ich mich schnell und fand es auf jeden Fall besser als den deutschen Schmuddelwinter. Man konnte einfach mal Winteraktivitäten nachgehen, wie Eisfischen, Schlittschuh fahren oder Skifahren. Und je weiter das Jahr fortschritt, desto schneller schien es vorbeizuziehen. Auch die von vielen vorhergesagten Heimwehattacken, besonders um Weihnachten, traten nie ein. Moorhead, Minnesota war einfach mein zu Hause geworden.


Ice Fishing

Im April bekam ich dann endlich meinen Führerschein, mit dem ich auch alleine fahren durfte, und meine Familie stellte mir sofort ein Auto zur Verfügung, mit dem ich dann jeden Tag zur Schule, zu meinen Sportaktivitäten und sonst überall hinfahren durfte. Es war einfach super, endlich alleine überall hinzukommen, da man in meiner doch recht großen Stadt (von der Einwohnerzahl vermutlich ungefähr wie Oldenburg) nirgendwo hingekommen wäre, weil dafür einfach die Entfernungen zu groß sind, zumal ich etwas außerhalb der Stadt wohnte.

Zum Prom konnte meine Gastfamilie dann nicht zu Hause sein wegen des 90. Geburtstags der Uroma, wo mir dann natürlich mein Führerschein sehr geholfen hat. Vorher hatte ich mir also ein „date“ „besorgt“, was ein wichtiger Teil der Zeremonie zum Prom ist. Die Jungs müssen sich um ihre weibliche Begleitung kümmern. Das hatte also alles prima geklappt. Am Prom holte ich sie dann ab und wir fuhren zu der Stretch-Limo, die wir mit ein paar anderen Paaren zusammen für den Abend gemietet hatten. Wir aßen nett in einem schicken Restaurant und dann ging es zu dem „Dance“. Es war ein Superabend. Ich war dann auch erst am frühen Morgen erst wieder zu Hause.

Prom

Alles in allem muss ich sagen es war die beste Entscheidung die ich in meinem Leben getroffen habe, ich hatte ein Superjahr und würde es auf jedenfalls wieder machen und jedem empfehlen, ein Jahr im Ausland zu verbringen.

Florida


Hochseefischen in Florida


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