Eigentlich hatte ich nicht vor, meine Hirschjagd noch einmal zu erläutern. Da ich aber nicht möchte, dass es zu Missverständnissen kommt, habe ich mich dazu entschieden, dies doch zu tun.
Es war eine wahrscheinlich einmalige Gelegenheit in meinem Leben, Jagen zu gehen. Hirschjagd in Michigan ist für die Menschen dort etwas ganz Normales, das durch die zu hohe Population der Hirsche möglich ist.
Ich hatte von meinem Gastbruder mitbekommen, dass er im Jahr zuvor einen Hirsch erlegt hätte. Natürlich lässt man den Hirsch dann so verarbeiten, dass man mindestens 40 kg an Fleisch hat, was für eine sehr lange Zeit reicht. Da mein Gastbruder noch einmal einen Hirsch für die Familie erlegen wollte, entschied ich mich, mit ihm zu gehen. Zu der Zeit war ich mir eigentlich auch noch nicht dessen bewusst, was es bedeutet Jagen zu gehen.
Für einige „abgehärtete“ Personen scheint dies überhaupt kein Problem zu sein. Für mich jedoch schien es sehr viel Überwindung zu kosten. Mein Gastonkel ist ein professioneller Jäger und meine Gasteltern vertrauten mich ihm an. Er sagte mir schon am Anfang, dass ich keinen Hirsch erschießen sollte, wenn ich dabei kein „gutes“ Gefühl hätte. An einem Abend ging ich mit ihm in „seinen Wald“, wo er auch ein Hochsitz aufgebaut hatte. Wir sahen ein paar Rehe und einen Hirsch, doch konnte ich mich nicht überwinden, den Hirsch zu erschießen. Schon alleine dieser Abend in dem Hochsitz kostete mich eine fast schlafslose „Nacht“.
Am nächsten Morgen ging es wieder ganz früh in den Wald und auf denselben Hochsitz. Wir sahen den selben Hirsch noch einmal und diesmal, mit dem Gedanken an das leckere Fleisch, das zumindest einen Teil des Fleischbedarfs dieses Jahres decken würde, im Kopf erlegte ich den Hirsch. Das Gefühl, das man dabei empfindet ist nicht leicht zu beschreiben. Auf jeden Fall fängt das Herz sehr schnell an zu schlagen. Ich brauchte auch kein schlechtes Gewissen zu haben, da der Hirsch kurz nachdem er getroffen war, sofort tot war.
Das ganze Jahr, das ich da war, hatten meine Familie und ich äußerst leckeres Hirschfleisch. Die Freude darüber war sehr groß und auch mein Bruder genoss es, als er mich und meine Gastfamilie für einige Tage besuchte. Aber nur, um das noch einmal klar zu stellen: Dies war eine wahrscheinlich einmalige Gelegenheit für mich, Jagen zu gehen, was der ausschlagende Grund für mich war, es zu tun. Ich wollte soviel wie möglich von dem Leben der Michigander mitbekommen und diese Erfahrung gehörte einfach dazu.
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