Altes Gymnasium Oldenburg

800 000 Toaster suchen einen solventen Abnehmer

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PLANSPIEL Schülerinnen und Schüler des AGO schlüpfen bei Peguform in die Rolle von Managern
OLDENBURG – Wichtig ist auf dem Platz, lautet eine unumstößliche Fußballerregel. Ähnliches gilt in der Wirtschaft für die Produkt-Präsentation vor potenziellen Kunden: Da entscheidet sich für einen Lieferanten, wie der Umsatz sich entwickelt – oder auch nicht.

In einer solchen Stress-Situation fanden sich jetzt die Teilnehmer des Management-Information-Game (MIG), die mit einem Angebot von 800 000 Toastern vor die Einkäufer einer Elektromarktkette treten mussten. Die jungen Leute vom AGO hatten sich für eine Woche im gastgebenden Peguform-Werk auf den entscheidenden Tag vorbereitet. „Von der Schulbank zum Vorstandsvorsitzenden, und das ohne Zwischenstation“, wie Axel Unger erläuterte – der Leiter der Akademie Schule/Wirtschaft des Bildungswerks der Niedersächsischen Wirtschaft, die das Spiel im Nordwesten 50-mal pro Jahr veranstaltet.

Vor die Präsentation hatte das Spiel für die Zwölftklässler einen Zeitraffer gesetzt: Die Unternehmer auf Zeit hatten ihre Firma im „Alter“ von zehn Jahren am Montag übernommen und bis Donnerstag pro Tag ein Jahr gemanagt. Nun waren sie soweit, mit einem neuen Produkt und guten Bilanzzahlen an den Markt zu gehen. „Einkäufer“ der Elektromarktkette waren Lehrer, Eltern und Mitarbeiter von Peguform, dem mitveranstaltenden Arbeitgeberverband und der Akademie.

Um die zu überzeugen, hatten sich die Nachwuchsmanager einiges ausgedacht: Die „Toasted AG“ präsentierte einen transparenten Toaster, der sich wie ein Chamäleon der Umgebung anpasst, versehen mit Bluetooth-Anschluss, der Fernsteuerung per Handy und SMS-Meldung ermöglicht, wenn der Toast fertig ist. Ein eindrucksvolles Angebot. Zumal sie, wie sie mehrfach betonten, Wert auf ausschließliche Produktion in Deutschland legen. Aber: Die jungen Leute mussten erfahren, dass eine stolz vorgetragene Umsatzrendite von über neun Prozent bei den Einkäufern sofort die Möglichkeit harter Preisverhandlungen aufblitzen lässt: „Wenn Sie neun Prozent haben und der Einzelhandel zwei, dann muss da noch einiges drin sein“, bekamen sie zu hören.

Es folgte „Creactive“ mit einem Toaster, der in sich eine Weltsensation versteckte: Eine nur handtellergroße Solarzelle, die den Toaster (mit immerhin 1000 Watt Leistung) ohne Probleme mit Strom versorgen kann. Diese große Hoffnung für die Lösung der globalen Energiekrise wurde nur wie nebenbei erwähnt – im gleichen Atemzug mit USB-Anschluss, Musterbräunung, Sichtfenster und LCD-Bildschirm. Gedanke der „Profis“: Mit der Erfindung hätte man es wohl kaum noch nötig, Toaster zu verkaufen.

Das wollte auch Firma Nummer drei: Burning Bob AG, die auf Design, Trendgängigkeit und Zielgruppe „Lifestyler“ setzte. Der Toaster „Flammingo“ (wegen des Designs, das Flamme und Vogel verbindet) bestach u.a. durch fünf Jahre Garantie und eine ganz eigene Brotführung: Toast oben rein, unten raus, das Gerät hängt an der Wand.

Viele gute Ideen – aber nur einer konnte gewinnen. Am Ende siegte knapp „Creactive“.

Nordwest-Zeitung, 11. Juni 2008

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