Altes Gymnasium Oldenburg

Auf den Spuren der alten Römer

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FREMDSPRACHEN Steigende Nachfrage nach Latein – Verbindung mit Geschichte, Ethik und Philosophie

Entscheidungshilfen für Latein

Wer sich informieren möchte, was für oder gegen Latein spricht, kann die Diskussion auf Foren wie www.gutefrage.net verfolgen oder sich auf dem Buchmarkt bedienen. Empfehlenswert sind (in der Reihenfolge) von F. Maier „Warum Latein? – Zehn gute Gründe“ (Reclam, 80 S., 2,60 Euro), von W. Stroh „Latein ist tot, es lebe Latein – kleine Geschichte einer großen Sprache“ (List, 416 S., 9,95 Euro) und von K.-W. Weeber „Mit dem Latein am Ende?“ (Vandenhoeck & Rupprecht, 156 S., 10,90).

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Latein ist alt, aber nicht tot. Bis heute wissen Schüler den Wert dieser Sprache zu schätzen.Von Karsten Röhr

Oldenburg – Trendsprache ist Spanisch. Aber auch eine vermeintlich tote Sprache lebt wieder auf. Nicht nur bei Verfechtern klassischer Bildung oder als Schlüssel zu Asterix und Harry Potter ist Latein wieder angesagt. „Die bundesweiten Zahlen für Latein sind in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich gestiegen“, sagt Dr. Matthias Hengelbrock, Lateinlehrer am Alten Gymnasium. 28 Schüler haben am AGO gerade für Klasse 5 zusätzlich zu Englisch auch Latein gewählt. Die Zahl der Gymnasiasten, die in Deutschland Latein lernen, ist in den vergangenen Jahren um ein Drittel gestiegen, jeder dritte Oberschüler paukt heute lateinische Vokabeln und Grammatik.

Cui bono – wem nützt es? Hengelbrock sieht verschiedene Motive und Vorteile: „Es ist das Interesse in der Elternschaft an humanistischer Bildung, an Werte-Orientierung, hinzu kommen Synergie-Effekte schon in Klasse 5. Latein liefert eine theoretische Basis für Sprache als System: Diese Reflexion im Lateinischen und die Kommunikation im Englischen unterstützen sich gegenseitig.“

Das große Interesse an Latein hänge aber auch mit dem wachsenden Interesse an Alter Geschichte zusammen, das zudem durch die Medien gestärkt werde, etwa mit Sendungen über Rom, über Karthago oder Alexander den Großen.

Latein erleichtere es aber auch, auf die Grundlagen unserer Kultur zurückzukommen: Mythos, Menschenbild, Theater, Philosophie – die Gegenwart zu verstehen aus der Vergangenheit. „Zukunft braucht Herkunft“, sagt der Fachobmann für Latein am AGO, „unsere ethischen Maßstäbe leiten wir aus der Antike ab: Fragen zur Lebensführung etwa sind damals schon sehr fundamental gestellt worden.“ „Im Latein- und Griechisch-Unterricht werden ethische Werte vermittelt, ohne die die freie Marktwirtschaft nicht auskommt“, sagt Prof. Dr. Michael Hüthner, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft.

Ein anderes Argument hat für Hengelbrock nachgeordnete Bedeutung: Natürlich sei Latein „eine super Grundlage für die romanischen Sprachen – aber wenn ich eigentlich Spanisch lernen will, würde ich deshalb noch keinen Umweg gehen“.

Und wer kommt gut klar in Latein? „Wer gut in Mathe ist, ist fast immer auch gut in Latein, es gibt aber auch die Typen, die übers Sprachgefühl reinkommen.“

Max Trecker, Sieger beim Niedersächsischen Lateinwettbewerb und dadurch Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes, hat gerade sein Abi gebaut. Ab Oktober möchte er Geschichte und VWL studieren. Der 19-Jährige hatte seit der siebten Klasse Latein (als zweite Fremdsprache). Gewählt hat er es, „weil ich ein gewisses Interesse an der antiken Kultur hatte. Italienisch und Französisch habe ich dadurch sicher leichter gelernt, aber natürlich hat Englisch oberste Priorität. Wenn man Latein wählt, dann als zweite oder dritte Fremdsprache.“ Auch Norman Caspari (18), ebenfalls AGO-Absolvent, ist vom Sinn des Latein-Lernens überzeugt. Er sagt: „Man versteht dadurch seine eigene als auch fremde Sprachen und Kulturen besser, die grundsätzlichen Fragen der Menschheit werden in großen Werken der Antike behandelt, aber was der Hauptgrund ist: Man lernt umfassender als in allen anderen Fächern, strukturiert und analytisch zu denken – eine Fähigkeit, die ja auch in der Berufswelt immer stärker gefragt ist.“

Nordwest-Zeitung, 17. Juli 2008

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