Schönes Herbstwetter, ein abwechslungsreiches Programm und sorgende Gasteltern ließen den Besuch von 20 Gastschülern aus Radomsko am Alten Gymnasium zu einem vollen Erfolg werden.
Über das vor einigen Jahren für alle Schüler der Oberstufe verbindlich eingeführte fächerübergreifende Seminarfach hat eine Seminargruppe des AGO zum Thema „Polen“ gearbeitet und auch im vorigen Halbjahr ihre Facharbeit zu verschiedensten Aspekten des Themas geschrieben. Als Besonderheit wurde ein Austauschprogramm mit einem polnischen Liceum vorbereitet.
20 Schüler und die sie begleitenden Deutschlehrer waren für 8 Tage Gäste am Alten Gymnasium. Der erste Teil des Schüleraustausches mit dem II. Lyzeum in Radomsko (bei Lodz) wurde trotz äußerst widriger Umstände (voll gepackte Klausuren- und Stundenpläne seitens der deutschen Schüler) und vor allem dank des bewundernswerten Engagements des Tutors Herrn Kregel zu einer großartigen Erfahrung:
Wer sich im zweiten Halbjahr des 12. Jahrgangs in seiner Facharbeit mit den Boshaftigkeiten der Kaczynski-Zwillinge oder der konservativen katholischen Kirche auseinandergesetzt hatte, wurde jetzt mit einem völlig neuen Polenbild konfrontiert. Denn dass Probieren über Studieren geht, wurde hier einmal mehr belegt: So waren die Eindrücke, die sich den 16 Schülern des Seminarfachkurses „Polen“ – und den aushelfenden Gastfamilien des Alten Gymnasiums von der freundlichen und offenen Art ihrer polnischen Gastschüler boten, durchweg positiv und im Nachhinein begeisternd. Diese Eindrücke sollen während des ab dem 2. Oktober stattfindenden Gegenbesuchs in Radomsko noch vertieft werden.
Das Programm in Oldenburg war dicht gefüllt und vielfältig. Lehrreichen Inhalten wie dem Besuch der Gedenkstätte des Konzentrationslagers in Bergen-Belsen oder im VW-Werk in Emden standen gemeinsame Grillabende, Ausflüge nach Bremen und Groningen, paddeln auf der Hunte und Bowling gegenüber.
Auf Schüleraustauschen entstehen sehr individuell geprägte Erfahrungen, die von der jeweiligen Persönlichkeit des Gastgebers und des Gastes abhängen. Gerade dieser Austausch darf als besonders wertvoll gelten, denn er hat dazu beigetragen, das häufig von einigen Medien vermittelte Polenbild zurechtzurücken und ein von persönlichen Eindrücken geprägtes zu entwickeln.
So konnten die gastgebenden Schüler nicht nur erfahren, dass Lech Kaczynski ungefähr so repräsentativ für das heutige Polen ist wie Erika Steinbach für Deutschland, sondern auch wie man in Polen Wodka bestellt und dass man sich in Polen ebenso gerne über das Unvermögen der Fußballnationalmannschaft beschwert wie hierzulande.
Als die Besucher am vorvergangenen Montagnachmittag mit dem Bus die Heimreise antraten, war der Abschied herzlich und die Vorfreude auf den Gegenbesuch dementsprechend groß.
Begleitet wurde der erste Besuch dieser polnischen Austauschgruppe in Oldenburg trotzdem von einer kleinen Enttäuschung. So betonte der zweite Bürgermeister Bernhard Ellberg anlässlich des offiziellen Empfangs zwar die Wichtigkeit des Austausches zwischen Deutschland und Polen, konnte aber auf Nachfrage von Herrn Kregel auch für künftige Austausche keine Unterstützung der Stadt zusagen.
Trotzdem ist die Etablierung einer dauerhaften Schulpartnerschaft zwischen dem AGO und dem Lyzeum geplant. Bereits in den folgenden Schulstunden wurde ein überwiegend positives Fazit gezogen und Überlegungen bezüglich einer Wiederholung angestellt.