Altes Gymnasium Oldenburg

Julius Welzel – Mein Jahr in England

Bevor  ich  Anfang letzten Jahres nach England gegangen bin, hatte ich mich sehr darauf gefreut, hatte aber auch ein bisschen Angst. Gefreut hatte ich mich auf neue Erfahrungen und die vielen neuen Leute die ich treffen würde. Ich dachte aber auch an die vielen Stunden, die ich nicht mehr mit meinen Freunden und meiner Familie zusammen sein würde. Außerdem hatte ich vor der Ungewissheit ein bisschen Angst. Ich wusste nicht was mich erwarten würde.

Am 5. September 2007 war es dann soweit. Meine Eltern haben mich nach England gebracht und im Internat abgegeben.

Die ersten paar Stunden waren sehr komisch. Ich habe mich sehr alleine gefühlt, hatte aber keine Scheue mich gleich mit den anderen Jugendlichen im Internat anzufreunden. Mein Zimmer habe ich mit einem Russen geteilt, mit dem ich mich von Anfang an sehr gut verstanden habe. Nachdem ich mein Zimmer eingerichtet hatte, machte ich mich auf den Weg zum Speisesaal, wo alle neuen und alten Schüler erwartet wurden. Mein erster Eindruck war, dass auf dem Internat sehr viele Nationalitäten vertreten waren. Unter ihnen auch mehrere Deutsche, mit denen war das Gespräch natürlich am einfachsten.

Der erste gemeinsame  Abend war sehr lustig, denn wir haben so einiges an Internats-Traditionen erfahren.

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In den ersten Schultagen hatte ich einige Probleme mit der Verständigung, aber alle englischen Schüler haben mich sehr freundlich aufgenommen und mir bei den Sprachproblemen hilfreich zur Seite gestanden.

Am Ende der zweiten Schulwoche habe ich dann meinen ersten Test in Physik geschrieben. Da ich wusste, dass der Test nicht in die Gesamtbeurteilung eingerechnet wurde, dachte ich, ich könne am Abend vorher mit meinem Basketball-Team trainieren, statt zu lernen. Der Test wurde dann von uns selber ausgewertet. Ich hatte erbärmliche 21% erreicht. Mein Physiklehrer, Mr. Jarrold, nahm mich beiseite und sagte mir ich solle das Fach Physik lieber abgeben, da ich keine Chance hätte, das Examen am Ende des Jahres zu bestehen.
Diese Aussage motivierte mich natürlich, aber ich musste auch ein bisschen schlucken, weil ich es sehr hart fand, dass er mich nach zwei Wochen in einem fremden Land und Unterricht in einer Fremdsprache  von dem Fach ausschließen wollte. Nach einem Gespräch mit meiner „Head of Sixth From“, Mrs. Angus, durfte ich den Unterricht in Physik jedoch fortsetzten.
In der nächsten Physik-Stunde sagte mir mein Lehrer etwas was ich nicht vergessen habe: “Julius, I know that it is hard for you, but the more successful you are now the better you will feel about your decision“.

Nach 6 Wochen gab es die ersten Ferien. Ich hatte mich bereits sehr gut eingelebt, war ins Basketball Team aufgenommen und hatte es geschafft die zweitbeste Coursework in Business zu schreiben. Am Abend vor meiner Abreise bin ich durch die Schule gegangen und habe mich von vielen neu gewonnenen Freunden verabschiedet. Erst da habe ich realisiert, wie viel ich in den letzten Wochen erlebt hatte. Sechs Wochen sind eigentlich nicht sehr lang, wenn man noch fast ein ganzes Jahr vor sich hat.

Auf der Rückfahrt nach England am Ende der Ferien habe ich mich sehr auf die kommende Schulzeit gefreut.

Nach den Ferien war leider Schluss mit der Kennlernphase und der Druck in der Schule nahm zu.
Der Unterricht begann morgens um 8.30 Uhr und endete um 17.00 Uhr. Danach war Zeit für Sport bis 18.00 Uhr. Nach dem gemeinsamen Abendbrot begann die  „Studytime“, sie endete um 21 Uhr. Da uns die Lehrer Massen an Hausaufgaben aufhalsten, blieb uns unter der Woche kaum Freizeit. Dazu kam das zunehmend schlechte Winterwetter, es begann zu regnen und wenn es in England einmal regnet hört es so schnell nicht mehr auf.

Am Ende des ersten Trimesters war ich sehr krank und mehr als eine Woche ans Bett gefesselt, so dass ich nicht am Unterricht teilnehmen konnte. Meine Lehrer haben glücklicherweise sehr viel Rücksicht auf mich genommen. Trotzdem musste ich eine Woche Schulstoff aufholen und die laufenden Hausaufgaben bestmöglich bewältigen.

Zwischen der ganzen Schularbeit hatte ich zum Glück immer meine Sport Teams, mit denen ich mich regelmäßig zum Training traf.  Dies war immer ein Highlight für mich, weil ich den ganzen Stress in der Schule vergessen konnte.
Im Laufe dieser  Zeit gab es viele Schüler die sich nicht mehr so  bemühten und anfingen,  die Schule schleifen zu lassen. Auch ich dachte daran ein Wochenende wegzugehen, anstatt Hausaufgaben zu machen. Ich entschied mich allerdings anders und erzielte gute Resultate in den letzten Tests vor Weihnachten.

Am letzten Wochenende gab es dann die Weihnachtsdisko, ein von der Schule veranstaltetes Event. Dies war ein schöner Abschluss des ersten Terms mit vielen Höhen und Tiefen.

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Es folgten 3 Wochen wohlverdiente Weihnachtsferien, allerdings nicht ohne einen Berg an Aufgaben, die wir zu erledigen hatten. Nach Weihnachten ging es dann richtig zur Sache, denn alle Lehrer wollten den Stoff vor Ostern durchgearbeitet haben, um sich im letzten Term voll auf die Examen vorbereiten zu können. Unglücklicherweise war dieser Term zwei Wochen kürzer als normal und  es hatte immer noch nicht aufgehört zu regnen.

Zusammenfassend gesagt hatte ich sehr viel für die Schule zu tun und somit noch weniger Zeit für Freizeit Aktivitäten, die aufgrund des schlechten Wetters aber sowieso kaum stattfanden. Zwei Dinge waren für mich in dieser Zeit besonders wichtig. Erstens der starke Gruppenzusammenhalt, denn wann immer ich Hilfe brauchte fand ich einen hilfsbereiten Freund, der mich unterstütze. Zweitens   begannen die „Interhouse Competitions“. Es war bei uns eben ein bisschen wie  bei Harry Potter. Wir wurden  in verschiedene Häuser eingeteilt die gegeneinander in mehreren Sportarten antraten. Da ein sehr guter Freund von mir House Kapitän war, durfte ich an den meisten Wettbewerben für unser Haus teilnehmen. Das sportliche Engagement hat mir einige Anerkennung gebracht.

Kurz vor Ostern wurden dann die ersten Vertrauensschüler ausgewählt. Aufgrund meines Engagements für die Schule, wurde ich in eine Gruppe von 18 Schülern aus meinem Jahrgang aufgenommen. Als so genannter „Prefect“ hatte ich mir bestimmte Privilegien dazu verdient. Ich durfte zum Beispiel die Schule jederzeit verlassen, ohne Erlaubnis vom Lehrer einzuholen. Die andere Seite der Medaille war, dass wir Prefects eine Vorbildfunktion für alle kleineren  Schüler hatten und das auch in Zeiten in denen es nicht immer einfach für uns war.

Trotz aller Zusatzaufgaben musste ich mich in dieser Zeit besonders auf die Schule konzentrieren. Es kam so einige Male zum Interessen-Konflikt. Ich wurde nun auch zum Kapitän der Tennismannschaft gewählt. Außerdem wurde ich noch ins Fußball- und Roundersteam aufgenommen.

Am 21. Mai begann die 2-wöchige Examenszeit. Diese  Wochen waren sehr wichtig für mich weil sich nun entschied, wie viele von meinen Stunden die ich am Schreibtisch verbrachte hatte, sich auszahlten.
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Als ich am 3 Juni nach meinem letzten Examen den Saal verließ, fiel mir ein riesiger Stein vom Herzen.
Nach den Prüfungen hatten wir erst einmal eine ganze Woche frei, in der viel gefeiert wurde. Das hatten wir auch alle nötig nach den Anspannungen der letzten Monate.

In den letzten Schulwochen fanden dann die Auswahlgespräche zum „Senior Prefect“ statt. Aus der Gruppe der 18  Prefects (Jahrgang 12) wurden insgesamt 6 Schüler zu so genannten  Seniorprefects (Jahrgang 13) ernannt. Das bedeutete noch mehr Rechte, aber auch mehr Pflichten. Schließlich wurde ich als einer von 6 ausgewählt. Zusätzlich wurde mir jetzt noch die Verantwortung für die internationalen Beziehungen der Schule übertragen.

Am 10 Juli war dann der  „Speech Day“ – mein letzter Schultag. Dort wurden viele Reden gehalten und besondere Leistungen durch Verleihungen von Preisen gewürdigt. Aufgrund meines Engagements für die Schule bekam ich den„Quinley Service to the School Award“ verliehen.

Das war ein toller Abschluss nach einem erlebnisreichen Jahr, in dem ich sehr viele Erfahrungen sammeln konnte. Ich habe viele nette Menschen kennen gelernt,  die mir gezeigt haben, dass es auch andere Wege gibt, sein Leben zu leben.

Dieses Jahr war sehr wegweisend  für mich.


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