Una settimana a Firenze
25. Februar 2009
Schulleben
Jennifer Filpe
Ich war noch nie in Italien. Da ein Onkel von mir italienisch ist und ich bei einem Italiener arbeite, habe ich natürlich viele Vorstellungen gehabt. Ich habe erwartet, dass die Leute offen sind, viel und laut reden, die Straßen bunt und immer voller Leben sind. Mein allererster Eindruck am Bahnhof entsprach dem nicht wirklich. Aber auf dem Weg zum Instituto wurde ich langsam wach und war absolut beeindruckt. Dass Florenz so schön ist, hatte ich nicht erwartet. Ein Bauwerk ist prächtiger als das andere und alles passt irgendwie zusammen und gibt Florenz sein typisches Flair. Besonders toll waren die ersten Szenen, die wir am Arno gedreht haben. Der Blick hinüber zur Ponte Vecchio im frühen Morgenlicht bei noch menschenleeren Straßen war wahnsinnig beeindruckend.
Der Samstag ging dann genauso schön weiter. Schon der kurze Weg zu den Boboli Gärten ließ Florenz ganz anders erscheinen als noch am Morgen. Alles war taghell und auf einmal waren die Straßen voller Menschen. Der Hauptweg hinauf in den Giardino di Boboli eröffnete immer weiter einen beeindruckenden Blick über die Wege und Brunnen hinüber auf Florenz (dabei hatten wir später viel beeindruckendere Ausblicke, aber für den ersten Tag in Florenz konnte es einem schon die Sprache verschlagen!). Als dort oben der Filmdreh zum ersten Mal so richtig los ging, wurde mir erst klar, was für eine Aufgabe wir uns da aufgehalst haben. Es war spannend, beim Dreh zuzugucken und zu sehen, wie viele Leute interessiert zugeguckt haben.

Am besten in den Gärten hat es mir aber gefallen, sie auf eigene Faust zu erkunden. Es gibt ja so unglaublich viele große und kleine Wege, Brunnen, Statuen, Gemäuer. Manche Wege sind so breit wie eine Straße und gesäumt mit Statuen, andere führen anscheinend nur auf verschlungenen Wegen durch den Garten, sind gerade einmal breit genug für zwei Personen nebeneinander und gänzlich ummantelt von Pflanzen, so dass das Licht nur grünlich durch die Blätter einfällt.
Das Instituto Gould hat mir gut gefallen. Wir hatten wirklich schöne und saubere Zimmer und praktisch war, dass es für jeden einen eigenen Schlüssel gab. Denn man befand sich ja oft an unterschiedlichen Stellen, die eine Hälfte des Zimmers beim Dreh, die andere erkundete gleichzeitig die Stadt. Das Abendessen war sehr italienisch und sehr lecker (was ich über die Rondinella leider nicht sagen kann), das Frühstück konnte da aber nicht ganz mithalten. Frühstück wird aber wohl einfach in Italien nicht so groß geschrieben.
Die Abende im Instituto waren immer ziemlich gemütlich. Erst ist ja noch einmal die ganze Gruppe zusammengekommen, um die Ergebnisse des Drehtages zu sehen, dann hat sich alles in den Zimmern verteilt. Die Nächte waren alle nicht sehr lang, da die Zeit auf den Zimmern oder auf dem Balkon immer viel zu schnell vorbei ging.

Deswegen war am Sonntag der Fußmarsch zur San Miniato auch ziemlich anstrengend, aber die Mühe hat sich wirklich gelohnt. Der Blick von dort oben auf Florenz ist einfach umwerfend! Mein Zimmer hat nicht am Gottesdienst teilgenommen, aber wir haben uns in der Zeit um die Kirche herum umgesehen. Ich habe noch nie einen solchen Friedhof wie den von San Miniato gesehen. Die Gräber reichten von kleinen in den Boden eingelassenen Steinplatten über größere Steinplatten in den Mauern bis hin zu Familiengrüften. Manche Inschriften waren kaum noch zu lesen und reichten mehrere Jahrhunderte zurück, andere Gräber waren ganz neu. Besonders unheimlich war, dass auf vielen Gräbern Statuen oder Fotos von den Verstorbenen standen, so dass diese für einen gar nicht mehr so anonym wirkten. So gab es z.B. einen jungen Mann, der letztes Jahr mit erst 20 Jahren gestorben ist und den man auf den Fotos bei seinen verschiedenen Hobbys, mit Familie und Freunden sehen konnte.
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Auf dem Rückweg von San Miniato haben wir am Fuße des Berges in der Via S. Miniato eine kleine Pizzeria entdeckt. Das Mittagessen dort war köstlich! Die Pizzen waren so lecker und die Atmosphäre so freundlich, genauso hatte ich mir Italien vorgestellt! Dort haben wir dann ja auch alle gemeinsam das letzte Abendessen der Kursfahrt eingenommen und wie ich fand, war das der schönste Abend der Fahrt. Wir hatten alle gemeinsam so viel Spaß und haben köstlich geschlemmt, ein perfekter Abschluss.

Für unseren Film bin ich ja als Location Manager eingeteilt. Ich fand, dass sich die meisten Drehorte in Florenz aber von alleine erschlossen haben, denn es gibt einfach so viele Gassen oder schöne Plätze und Sehenswürdigkeiten, an denen man überall gut drehen konnte. Eigentlich war mein einziges Problem, dass wir keinen geeigneten Ort für die Atelierszenen hatten. Deswegen habe ich mich umso mehr gefreut, als ich in der Via dei Serragli zufällig ein kleines Atelier gesehen habe. Ich dachte, dass wir Szenen vor dem Atelier dort drehen könnten und hatte nicht erwartet, dass wir dort auch im Atelier selbst drehen dürfen. Die Künstlerin aber war sofort freundlich und offen und hat uns sofort erlaubt, dort zu drehen. Sie mir dann noch die hinteren Räume gezeigt, in denen sie und eine Kollegin ihre Malzimmer hatten. Ich dachte nicht, dass es wirklich solche typischen Künstlerwohnungen gibt, in denen überall Farbe war, Pinsel lagen und fertige oder halbfertige Bilder herumstanden. Beeindruckend!

Respekt habe ich vor den Schauspielern und vor unserem Kameramann. Sie waren andauernd direkt am Dreh gefordert und hatten kaum Zeit, einfach einmal durch die Straßen zu laufen und Florenz zu erkunden. Ich konnte mir meine Aufgabe zum Beispiel selbst einteilen und musste nicht die ganze Zeit am Set anwesend sein. Sicherlich hat der Dreh auch Spaß gemacht, aber wir waren ja schließlich auf Kursfahrt, um etwas von Florenz zu sehen. Dass trotzdem alles so reibungslos gelaufen ist, sollte den Schauspielern und Paul hoch angerechnet werden!
Wir haben uns öfter einfach durch Florenz treiben lassen. Es gibt einfach so viele Gebäude und Läden und Straßen zu entdecken. Einmal waren wir auf einem Markt, auf dem verschiedene Nationalitäten eigene Stände hatten. Deutschland wurde unter anderem durch einen Wurststand und – das Klischee aufrecht erhaltend – von einem Bierstand vertreten. Wir waren zwar selber Touristen, aber irgendwie fand ich es schade, dass Florenz so touristenüberflutet ist. In der Innenstadt ist alles auf Touristen ausgerichtet. Einmal haben wir dort Mittag gegessen und die Pizzen waren nicht annähernd vergleichbar mit den Pizzen in dem kleinen Laden in der Via S. Miniato. Auch gab es zwar viele schöne Läden, zum größten Teil aber unbezahlbar. Auf der Instituto-Seite des Arno, also etwas außerhalb der Touristenhochburg haben wir zwei richtig tolle Vintage-Läden entdeckt. Beide waren wie große Verkleidungskisten und man konnte viele Kleinigkeiten in ihnen entdecken.

Den Ausflug in die Uffizien fand ich zu kurz. Die obere Etage mit den vielen Bildern war wirklich spannend und man hätte sich auch dort sicher noch lange aufhalten können, aber ich hätte mich auch unten gerne noch umgeguckt. Für meinen Geschmack gab es an Bildern und Verzierungen aber auch schon zu viel. Man hatte kaum Zeit, sich wirklich auf ein Kunstwerk zu konzentrieren, weil noch so viel anderes folgte und teilweise schien der Prunk, also der mächtige Rahmen um und das Gold und die Verzierungen im Bild auch beinahe wichtiger zu sein als das Bild und sein Thema selbst.
Am Dienstag sind wir zu viert in das Florentiner Nachtleben eingetaucht. Am Montag hatten wir tagsüber das “Twice” entdeckt und der Besitzer hat uns eingeladen, am Dienstag wiederzukommen, da in dieser Nacht “alle” dorthin kommen würden. Es wurde auch ein wirklich schöner Abend, wir haben viele Italiener kennen gelernt und ein paar Deutsche getroffen. Es war aber auch gut, dass wir nicht nur Mädchen waren. Zur Sicherheit sollte man wohl beim Ausgehen in Florenz immer männliche Begleitung haben;-)
Am Mittwoch waren wir zwar geschafft von der vergangenen Nacht, Fiesole war trotzdem traumhaft schön. Wieder einmal hatten wir einen tollen Ausblick auf Florenz und das Fiesole Museum war auch sehr beeindruckend. Wenn man in dem gut erhaltenen Theater steht oder sich die Thermen anguckt, ist es unvorstellbar, wie alt diese schon sind! Ziemlich gemütlich war der kurze Weg hinab zur Bushaltestelle, auf dem wir die Aussicht und die Umgebung noch einmal richtig genießen konnten.
Am letzten Tag war San Marco zwar an sich interessant, aber wir hatten alle bereits so viele Eindrücke von Florenz, dass man es nicht mehr richtig aufnehmen konnte. Deswegen war es auch angebracht, den letzten Nachmittag einfach noch einmal in Gruppen zu verbringen. Wir saßen auf einer Piazza, haben gegessen und Karten gespielt und einfach noch einmal das Flair genossen.

Insgesamt hat mich zwar gestört, dass manche Leute sich nur beschwert haben. Egal, was der Kurs abgesprochen hat, manche hatten daran etwas auszusetzen. Aber zum Glück hat sich diese Stimmung nicht auf den ganzen Kurs übertragen, so dass die meisten wohl insgesamt doch zufrieden waren mit der Fahrt. Es war ziemlich beeindruckend, viele der Schauplätze zu sehen, an denen mein Facharbeitsthema, „Zimmer mit Aussicht“, gespielt hat. Und ich hatte nie gedacht, dass wir es tatsächlich schaffen, einen Film zu drehen (auch wenn der Großteil der Arbeit ja noch bevorsteht). Auch habe ich nicht erwartet, dass Florenz so viele schöne Seiten hat. Wieder in Deutschland möchte man einfach noch einmal zurück und sich auf der Piazza Pitti in die Sonne legen!
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