Es scheint zur Tradition zu werden, das Kammerkonzert. Die weiträumig platzierten drei Stuhlreihen reichten bei weitem nicht aus für das Publikum. Und so begann der Abend erfreulicherweise mit Stühleschleppen.
Die Konzerteröffnung hatte Kristian Katzenberger mit seinem Horn übernommen. Was sagt der Kritiker jetzt? „Formsicher, mit klarem Ton und stupender Technik, da deutet sich schon der zukünftige Profi an…“ Nein, das sind nur Worte. Stattdessen fühlen wir uns ganz zu Hause in den romantischen Klängen von E. Bozzas Komposition. Nach Frau Möhlmanns Begrüßung allerdings – Schumann, nochmal Romantik, wie schön – werden wir etwas unsanft in eine moderne, hoch interessante, musikalische Klangwelt katapultiert. Da hätte uns eine kurze Ansage der Programmänderung doch sehr geholfen, denn wer kennt als Nicht-Bläser schon Herrn Bocca?
Streichquartett als Thema im Zentralabitur: da hat doch der findige Herr Beiderwieden die Idee, seinem Leistungskurs nicht nur den theoretischen Überbau dieser besonderen Spezies der Musik zu liefern, sondern rekrutiert noch vier leistungsfähige Kursteilnehmer für den praktischen Unterbau. Diese übernahmen die Realisierung mit großer Konzentration.
Und danach nochmal Leistungskurs, jetzt im Tutti mit Soli: drei Songs. Das war einfach wunderbar, Genuss pur.

Wie schön kann Zuhören sein, wie befriedigend das Miteinander? Dafür gab es eine fast perfekte Demonstration von Friederike Schulze und Jens Theilen.
Ramona Katzenberger zeigte zusammen mit ihrer schon sehr kompetenten Begleiterin Katja Bargen mit dem Klarinettenkonzertsatz des fleißigen Zeitgenossen Haydns, Frantisek Krommer, dass sie sicher noch nicht am Ende ihrer musikalischen Laufbahn ist.

Ole Pflügers deutlich vergrößertes Klangspektrum auf seinem Cello ermöglichte ihm eine gute Interpretation der Élegie von Fauré.
Oscar Riedings Concertino eignet sich gut als Ziel für diejenigen, für die die Geige ein Hobby unter mehreren bleiben soll. Ziel erreicht, Neele, bravo!
Eva Kohse (Tenorblockflöte) und Micha Keller (Gitarre) gelang es, eine ganz verträumte Atmosphäre mit dem Stück „Café 1930“ des Tangospezialisten Astor Piazolla zu erzeugen.

Der Schlusspunkt wurde mit dem Streichsextett op 18 von Brahms gesetzt. Das war über weite Strecken schon richtig gute Kammermusik.
Nach einem so prall mit schöner Musik gefüllten Abend tauchen natürlich auch Fragen auf:
Warum gibt es niemanden, der die Schulreform dahingehend reformiert, dass den jungen Menschen auch in der Zukunft genug Zeit bleibt für eine für ihre Entwicklung so wichtige „Nebenbeschäftigung“?
Und – auch diese Frage sei erlaubt – wo sind die Lehrer dieser Schüler, die doch engagiert deren Menschwerdung begleiten? Ein paar Stühle hätten sicher noch aufgestellt werden können.
Empfehlen Sie diesen Artikel weiter: