Altes Gymnasium Oldenburg

„Good Morning, UK!“ – Schüleraustausch mit England

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Es ist Donnerstag, der 7. Mai in der Frühe. Aber wir (neun Schülerinnen und Schüler aus der 9a und b) stehen vor dem AGO und nicht mehr verschlafen vor dem Badezimmerspiegel. Eine Gruppe Jugendlicher mit Eltern hat sich versammelt, fertig zum „ganz gechillten“ Aufbruch nach England in die Nähe von Birmingham. Nach dem mehr oder weniger schmerzlichen Abschied von Eltern und der geliebten Heimat fliegen wir von Bremen direkt zum Superflughafen Frankfurt. Für einige, die schließlich voll und ganz begeistert waren, war´s das erste Mal, über den Wolken die grenzenlose Freiheit zu erleben.  Von der Metropole ging’s nach einigen Stunden weiter nach Birmingham. Nach der Passkontrolle mussten wir jedoch auf den Mini-Schulbus warten, der uns mitsamt Gepäck zur Queen Elizabeth High School and Sports College (QESSC) bringen sollte. Eine Stunde Fahrt und schließlich sind wir in unserer neuen Schule, naja, wir als nervös mit Koffern Herumstehende werden erstmal von den students merkwürdig beäugt. Frau Damerow-Funk, die den Austausch mit Ms Lawson (Deutschlehrerin an der Austauschschule) organisierte und leitete, ging zur reception, einer Art Sekretariat, und so wurden wir in den Chemieraum abgeschoben.
Ein paar Schülerinnen und Schüler, die irgendwie mitgekommen und offenbar Freunde und Bekannte der Austauschpartner waren, fragten uns gleich, wer wir seien, woher wir kämen und so weiter; schnell schwand die Nervosität, als schließlich auch unsere Partner erschienen, ein Teil frischgebacken vom Examen, der andere vom Sportwettkampf und ein paar tröpfelten kurze Zeit später ein. Da saßen wir nun im stickigen Nawitrakt und warten auf das Go unserer Lehrer. Der Aufenthaltsgrund: Notrufnummern (Gott sei Dank, hat sie niemand später wirklich gebraucht) und zuletzt diverse Sicherheitsmahnungen („Geht nicht alleine raus!“ usw.). Und auf geht’s in den Dschungel der neuen Kultur und englischen Sprache! Die Wege der Einzelnen trennten sich schnell, jeder hatte seine Gastfamilie, wurde mit dem Auto abgeholt oder ging zu Fuß ins neue Zuhause. Das sehr gute Wetter wurde gleich durch Expeditionen in die Stadt und Umgebung genutzt. Der Großteil von uns war in Atherstone (ca. 12000 Einwohner) untergebracht, einer kleinen Stadt direkt in der „Mitte“ von England.
Der Freitag begann mit einem gemütlichen Halbausschlafen, denn Schule beginnt erst um viertel vor neun. Zum Aufwachen gab´s auch nicht das „klassische englische Frühstück“ (gebratener Speck und Co.), sondern eher Müsli oder Weißbrot. Die erste Schulstunde begann. Eine Schulstunde heißt auch gleichzeitig eine Zeitstunde. Eine Doppelstunde French steht bei mir auf dem Stundenplan. Zwei ganze Stunden lang Französisch, wie passend, bisher hatten wir alle immer Latein gehabt und ich wurde prompt von einigen Schülerinnen gefragt, was das denn sei, „Latein“. Doch es wurde ganz anders: Alle Räume sind grundsätzlich mit Beamern und Laptops ausgestattet, Internetanschluss versteht sich von selbst. Die Tafel wird kaum noch gebraucht, wir schreiben unsere Notizen von Folien ab. Demensprechend gestaltete sich die Französisch-Stunde: Die Lehrerin legte eine DVD mit Lern- und Wörterratspielen ein. Abwechselnd klickten die zwei Teams auf den Bildschirm und wir spielten gegeneinander.
Als die Lehrerin, die zur Schulleitung gehörte, kurz raus musste, weil ein Schüler abhanden gekommen war, spielten meine Klassenkameraden einfach seelenruhig weiter; okay, sie wurden vielleicht etwas ausgelassener, aber die „Arbeit“ wurde auch (wie in anderen Fächern) diszipliniert fortgesetzt. Schließlich war die Geschichte beendet und wir lasen einen kurzen Text über Grammatik und bekamen eine Aufgabe. Schnell waren alle aus dem mit elf Teilnehmern besetzten Kurs fertig und ich dachte, die Lösungen würde besprochen werden. Aber nix da! Es ging einfach weiter. Am Ende der Stunde stellte sich ein plausibler Grund dafür ein: Hefte werden nicht mit nach Hause genommen, sondern in der Schule gelassen. Die Lehrerinnen und Lehrer haben jederzeit Zugriff auf die Leistungen der Schülerinnen und Schülern, außerdem kann so erstaunlich wenig vergessen werden. Und wenn´s keine Hefte gibt, tun´s auch Blockblätter, die im Pult liegen und ausgeteilt werden. Doch am Ende bekommen Schüler keine mündlichen Noten, sondern nur die Bewertung ihrer schriftlichen Jahresexamen.
Nach zwei Stunden sattem Unterricht folgte eine 15-Minutenpause, die aber eigentlich nur zum Hinüberlaufen zur anderen Schule gedacht war. Die QESSC besteht aus zwei Gebäuden, der Lower School und der Higher School, das hat aber nicht mit Alter oder Leistung zu tun, sondern mit Fächern. Die Gebäude heißen einfach so. Und das ständige Hin- und Herlaufen kommt dadurch zustande, dass die Lehrerinnen und Lehrer nicht zu den Klassenräumen gehen, sondern die Schülerinnen  und Schüler zu den Lehrerräumen. Eine Erdkundelehrerin besitzt sozusagen einen Raum, solange sie dort unterrichtet. Den Laptop, der dort steht, darf sie mit nach Hause nehmen, um Stunden zu planen.  Nächste Stunde, Sprachenkunde, Englisch.
Da wir aber für ICT (Information and Communications Technology, Informatik) ein extra Passwort bekommen hatten, überredete mich unsere Lehrerin, mit meiner Partnerin in die Bibliothek zu gehen und mich mit dem schuleigenen Netzwerk vertraut zu machen. Da sagte ich natürlich nicht nein und wurde in die Schülerbücherei, die recht groß ist, geführt. Mindestens zehn Computer standen dort auch. Der Bildschirmschoner der Schule blinkte mir entgegen und ich staunte ziemlich über das System: eingeschränkte Internetseiten, spezieller Nutzerdesktop gerade auf die Schule spezialisiert usw.
Die technische Ausstattung der High School im Allgemeinen war, wie schon beschrieben, atemberaubend. In der Mathestunde saß ich total baff in der ersten Reihe vor dem Smartboard. Der Lehrer wechselte den Stift und somit die Farbe, er konnte die Folien mit dem Finger direkt von der Leinwand oder vom Computer bearbeiten; seine Handschrift wurde vom Computer nach kurzem Anklicken in Times New Roman umgewandelt. Klar hatten wir schon davon gehört, aber wenn man das alles mit eigenen Augen sah, wurde einem doch mulmig zumute. Überraschend war im Gegensatz zur fortgeschrittenen Technologie der Zustand des Gebäudes an sich. In der Toilette hing eine Tür aus ihren Angeln und teils bröckelte ein bisschen Putz von der Wand. Die Schülerinnen und Schüler schienen das eher für normal zu halten, genauso wie die Klingel, die überhaupt nicht nach Klingel, sondern nach Handy-Weckerton klang, eine Art schnelle Abfolge von hohen Tönen; so wurde die nächste Stunde und das Stundenende eingeläutet.
Meist hatten wir in Kursen Unterricht, die ca. 10 bis 33 Mann / Frau groß waren. Klassen gibt es nicht, nur die Jahrgangsstufe 9, die wiederum in 1.1, 1.2, 2.1 und 2.2 geteilt wird. Die Leistungsstärksten kommen in 1.1 und so staffelt es sich abwärts. Man kann in unterschiedlichen Fächern auch in anderen Niveaus sein. Das System ist flexibel, schnell kann man von 2.2 aufsteigen, aber auch „herunterfallen“. Endlich, nach Physical Education (Sport), dürften wir in der Mittagspause (die mit 35 Minuten eindeutig zu kurz war!) verschnaufen. Die Kantine, in der sich fast alle versammelten, bot billiges Essen an (e. g. Fish ‘n’ Chips ca. 1,80 €) oder die Essenden hatten sich Sandwiches von zuhause mitgebracht. In den kurzen Pausen zuvor tranken die meisten eine Art Wasser mit Aromastoffen, das auch leicht gewöhnungsbedürftig war, und aßen Müsliriegel. Ein Teil unserer Austauschgruppe traf sich zufällig in der Cafeteria und so ziemlich alle waren von dem englischen Schulalltag beeindruckt. Gemeinsam verbrachten wir auch „Assembly“: Der Schulleiter, ein Lehrer oder ein Schüler hält einen kurzen Vortrag zu einem bestimmten Thema. Diesmal lasen zwei Schüler Zitate vor, doch leider ließ sich trotz absoluter Stille (wirklich alle waren mucksmäuschenstill!) kaum etwas verstehen.
Noch eine letzte Stunde und das Wochenende begann: Ausflüge zu Shakespeares Geburtsort, nach London, nach Tamwoth (größere Stadt nahe Atherstone), zum Fußballspiel der berühmten Manchester United Mannschaft usw… wurden in den Familien unternommen. Alle Austauschteilnehmer schwärmten am Montag vom Wochenende. Die letzten drei Tage, die wir in der Schule verbrachten, gestalteten sich ebenfalls sehr abwechslungsreich und interessant. Es gab Fächer, von denen wir nie vorher gehört hatten (z. B. „Child“, ein nur von Mädchen besuchter Kurs, in dem man lernen konnte, mit Kindern umzugehen usw.), Arbeitsweisen, die völlig neu waren, und natürlich jede Menge Erfahrungen! Inhaltlich gesehen erkannten wir viele Themen wieder, die wir schon durchgenommen hatten. Allerdings hatten in der achten Klasse die meisten keinen Schimmer, was eine Funktion war und in Geschichte musste teilweise überlegt werden, wo Indien lag und ob Schottland zum UK gehörte.
Drei Schultage hatten es in sich, trotz weniger Hausaufgaben, jeden Tag bis kurz nach drei Uhr Schule. Am Donnerstag kam dann die Erholung: Der Freizeitpark Drayton Manor! Wohlbekannt unter unseren Austauschpartnern, die uns in kleinen Teams durch die unterschiedlichsten Attraktionen führten. Übel wurde keinem, wir wurden aber durchaus leicht durchnässt, da die Wasserbahn ein wenig arg steil war. Doch wir überlebten alle, so dass wir am folgenden Tag (Freitag) uns von den Austauschpartnern vor der Schule verabschiedeten und mit dem Minischulbus nach Birmingham fuhren. Ein bisschen Geschichte und Wissenschaft sollte auch nicht zu kurz kommen, deswegen gingen wir in das „Museum of Jewellery Quarter“, das, wie der Name ja schon verrät, Schmuck ausstellte, gleichzeitig auch eine Art Fabrik, die abrupt 1981 geschlossen wurde. Die Inhaber ließen alles an ihrem Platz stehen und liegen. Später entwickelte sich dort das besagte Museum, wie uns die nette Angestellte erklärte. Ein kurzer Spaziergang durch die Stadt führte uns zum „Birmingham Science Museum“, wo gerade das Projekt „Thinktank“ stattfindet. Eine Welt aus Dinosauriern (BBC), Legoteilen, der ältesten Dampfmaschine und einer sehr authentischen Hüftgelenkoperation präsentierte sich uns. Der Tag war noch nicht zu Ende und so ging´s in DAS Shoppingcenter von Birmingham, genau genommen waren es zwei riesige zusammen verknüpft. Weitere drei Stunden verflogen kurzweilig.
Abends, ziemlich kaputt mit müde gelaufenen Beinen, erreichten wir unser Hostel, wo wir kurzerhand in unsere Betten fielen und schnell tief und fest schliefen. Um sieben Uhr riss uns der Handywecker aus dem Schlaf, der letzte Tag unserer Englandfahrt war gekommen. Echte englische schwarze Taxis holten uns vom Hostel ab und brachten uns zum Flughafen, wo wir frühstückten und nach Frankfurt flogen. Der Anschlussflug kam jedoch erst am späten Nachmittag, so fuhren wir nach Frankfurt Downtown zum Markt, Dom und dem „Römer“, mit der Straßenbahn wieder zurück und endlich kam der Flug nach Bremen; die Eltern holten uns ab und der Alltag war wieder eingeholt!
Im Endeffekt waren alle Teilnehmer, sowohl englische als auch deutsche, von der Fahrt sehr angetan. Das Englisch wurde besser, neue Freundschaften wurden geknüpft und Erfahrungen gemacht. Mit viel Vorfreude wird der Gegenbesuch der Engländer wahrscheinlich im Herbst erwartet. Ein besonderer Dank geht an Frau Damerow-Funk, die es trotz vieler widriger Umstände geschafft hat, den Austausch anzustoßen. Durch ihren persönlichen Einsatz hatten wir eine tolle Woche in England und hoffen, dass noch viele Schülerinnen und Schüler in den Genuss des Austauschprogramms kommen oder es unterstützen.
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Ankunft vor der Schule
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Bug Tamwoth
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Schulkantine
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City von Atherston
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Drayton Manor
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Drayton Manor
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Drayton Manor
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Drayton Manor
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Erster Kontakt
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vor dem Flug
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Frankfurter Dom
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Frau Damerow-Funk und Ms Lawson
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Die Austauschgruppe
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Markt von Tamwoth
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Jewellery Museum
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Peace Garden
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Schullogo
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Schulbus
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Schule
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Schule
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Schule
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Schule
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Schulwiese
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Science Museum
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Science Museum
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Shopping Mall

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