Am 10. August fing mein Erlebnis endlich an. Vier Tage nach meiner Ankunft ging es dann auch schon an die Westküste nach San Francisco. Meine Tante und ihre Familie wohnen in Lafayette, einem Ort 10 Minuten von San Francisco entfernt. Dort habe ich mit meinen Großeltern eine Woche bei meiner Tante und ihrer Familie verbracht. In San Francisco gibt es viel zu tun und es ist sehr schön.
Ich finde die Landschaft in Kalifornien allgemein sehr schoen, es gibt viele Berge, und zudem noch das „perfekte“ Wetter.
Im September fing dann die Schule an. Kurz zuvor musste ich die Schule besuchen, um meine Fächer zu wählen, also war ich mit dem äußeren Bereich ein wenig bekannt. Ich musste auch eine Schuluniform kaufen, da meine Schule, Christ the King Regional High School, eine katholische Privatschule ist. Zu der Uniform gehören Poloshirt, Lederschuhe und ein Rock, der bis zu den Knien gehen soll, was jedoch viele nicht beachten. Ich war nicht daran gewöhnt, in Uniforn zur Schule zu gehen; da jedoch jeder sie tragen muss und es die morgentliche Routine der Kleiderwahl dann doch erleichtert, habe ich mich schnell daran gewöhnt.
Jeden Morgen wird in der ersten Stunde über die Lautsprecher ein Gebet gesprochen und der Amerikanischen Flagge Treue geschworen. Unser Schuljahr war in Quartale aufgeteilt. Nach jedem Quartal bekommen wir ein Zeugnis und nach jedem Achtel ein Progress Report, worin unsere Leistungen mit Worten bewertet werden. In jedem dieser Quartale findet eine Messe statt, an Weihnachten und Ostern ebenfalls.
Die Schülerinnen und Schüler sind jedoch typische Schüler einer Amerikanischen High School. Es gibt die verschiedenen typischen Gruppen, und diese bleiben meist unter sich und sitzen zusammen an einem Lunchtisch.
Das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern ist sehr gut. Da es keine Sie-Form in der Englischen Sprache gibt und man Lehrer sozusagen duzt, reden viele Schüler mit den Lehrern wie mit ihren Freunden. Meine Lehrer waren alle sehr nett und hilfreich.
Von September bis Ende November hab ich Cross Country gemacht. Cross Country ist Langlauf durch Wiese, Wälder und über kleine Berge. Das hat mir sehr viel Spass gemacht und war eine gute Gelegenheit, Leute von der Schule kennen zu lernen. Ich habe bei einigen Wettrennen mitgemacht und auch eine Medaille gewonnen. Es gefiel mir sehr, zu rennen, an der frischen Luft zu sein und mal gegen andere Leute anzutreten.
Nach der Cross Country Saison bin ich dem Indoor Tracks Team beigetreten, jedoch habe ich meinen Fuß nach ein paar Wochen verletzt und musste einen Monat lang in einem Stabilizer Stiefel rumlaufen.
Zusätzlich zum Rennen bin ich dem Buch Club beigetreten. Meine Freunde waren fast alle Mitglieder und unsere Buch Club Lehrerin war wirklich sehr nett. Wir haben viele gute Bücher gelesen und im Mai sogar die Autorin unseres letzten Buches kennengelernt. Das war sehr interessant, weil das Buch ihre Memoiren waren und wir die Geschichte von ihr selbst hören konnten.

Im Oktober war Halloween und alle Häuser waren dekoriert. Amerikaner nutzen jeden Feiertag aus, um ihr Haus so viel wie möglich mit Deko zu schmücken. Halloween habe ich wie viele Amerikaner dann mit meinen Freunden mit “Trick or Treating” und dem Schauen gruseliger Filme verbracht.
Im November war dann Thanksgiving. Thanksgiving wird in den Staaten mit viel Essen und der ganzen Familie gefeiert. Meine Großeltern haben einen Pfund Truthahn zubereitet. Zum Truthahn gab es dann Süßkartoffeln, Wildreis, Cranberry-Soße, Cornbread, verschiedenes grünes Gemüse und die Füllung des Truthahns, welche aus Brotkrümmeln, Pilzen, Cranberries und Kichererbsen besteht. Und zum Nachtisch gab es Pumpkin Pie, Pecan Pie und Apple Pie, die ich alle mit meinem jüngeren Cousin am Vorabend zubereitet habe.
Meine Tanten, Onkels, Cousins, Cousinen, Großtanten und viele mehr kamen zum Fest und es wurde viel geredet, gegessen und gelacht.
Ich hatte auch die Gelegenheit, Teil der Praesidentenwahl in den Staaten zu sein. Meine ganze Familie ist der demokratischen Partei verbunden und am 4. November war ich mit meiner Großmutter in der Wahlkabine und hab mit ihr für Obama gestimmt. Ich war die halbe Nacht wach, um die Ergebnisse zu sehen, und habe mit meiner Familie seinen Sieg gefeiert.
Der Winter fing im Dezember an. Es gab so einiges an Schnee und Leute fingen an, ihre Häuser weihnachtlich zu dekorieren. Ich musste früher aufstehen, weil die Busse oft zu spät kamen und ich sonst zu spät zur Schule gekommen wäre. Wir hatten auch zwei Tage schulfrei, weil zu viel Schnee lag.
Weihnachten in Manhattan ist ein wunderschönes Erlebnis. Die Hochhäuser sind teilweise geschmückt und viele große Weihnachtsbäume stehen geschmückt an verschiedenen Orten.
Meine Freunde und ich haben viele Winterabende dort verbracht und die Gelegenheit genutzt, in Manhattan Schlittschuh zu fahren. Das war wirklich sehr schön. Es war sehr, sehr kalt und wir hatten nach einiger Zeit kein Gefühl mehr in unseren Fingern und Füßen, aber das war es sicher wert.
Weihnachten in New York mit meiner Familie ist wirklich unheimlich spaßig. In den letzten paar Jahren sind meine Mutter, meine Geschwister und ich zu diesem Ereignis nach New York geflogen und dieses Jahr war es wie die letzen Jahre ein großer Spaß. Heiligabend habe ich mit meinen Großeltern Filme geschaut. Am Weihnachtsmorgen ging es erst zur Kirche und dann habe ich die Geschenke, die mir aus Deutschland geschickt wurden, ausgepackt. Nachmittags kamen dann sämtliche Familienmitglieder. Da meine Großmutter italienisch ist, wurde als erstes Pasta und Meatballs gegessen, danach dann Roast Beef oder Hähnchen mit Reis und Gemüse und danach dann Obst, Nüsse, Kaffee, Kuchen, Kekse und Süßes. Nach dem Essen war dann Bescherung angesagt. Es ging nach Alter, die jüngsten Cousins und Cousinen fingen an, Geschenke auszupacken, und von da wurde sich dann hochgearbeitet. Am Ende des Abends war jeder so satt und müde, dass sofort aufgeräumt und ins Bett gegangen wurde.

Neujahr habe ich mit meinen Freundinnen verbracht. In den Staaten ist Neujahr anders als in Deutschland. Keine Familien machen ihre eigenen Feuerwerke, da dieses illegal ist. Viele New Yorker gehen nach Manhattan zum Times Square, um dort das große Feuerwerk und “Balldroping” zum Countdown zu sehen. Um an diesem Ereignis teilzunehmen, muss man damit rechnen, Stunden vorher in Menschenmassen zu stehen und zu warten, um einen guten Platz zu bekommen. Meine Freundinnen und ich haben den Abend in Brooklyn in einem Restaurant verbracht und haben den Countdown wie viele andere Amerikaner im Fernsehen verfolgt.
Im Februar war ich meine Tante und ihre Familie in Boston besuchen. Boston ist die Hauptstadt des Bundesstaates Massachusetts und eine der ältesten Städte der Vereinigten Staaten. Viel Geschichte steckt in den Straßen und Häusern und es war sehr interessant, all dies zu sehen. Mein Onkel hat mir auch Lexington, Concord und Walden gezeigt. Walden Pond ist der Teich an dem Henry David Thoreau zwei Jahre lang gelebt hat, um der Natur nahe zu sein. Es war wirklich sehr interessant und schön an diesem Teich. Es war sehr kalt und überall war Schnee und Eis. Das machte den Spaziergang um den Teich zu einem kleinen Abenteuer.
In Boston hatte ich auch die Gelegenheit, die Harvard University und viele andere Universitäten und Colleges zu sehen.

Im März und April habe ich viel Zeit mit meinen Freunden in Manhattan verbracht. Wir sind durch sämtliche Gegenden gelaufen, shoppen gegangen und haben viele Stunden im Central Park in der Sonne verbracht.
Ostern habe ich mit meinen Großeltern und meiner Großtante und ihrer Familie in Brooklyn verbracht. Wie bei jeder unserer Familienfeiern wurde viel Italienisches Essen serviert, viel geredet und einige Spiele gespielt.
Im April war ich dann für fünf Tage meine Cousine in Washington, DC besuchen. Meine Cousine ist 25 und arbeitet in Washington, DC in einer Firma für Frauenrechte. Washington, DC hat mir sehr gut gefallen. Ich habe das Weiße Haus gesehen, Museen, die alle umsonst waren, wie das Smithsonian besucht, war beim Capitol, dem Washington, World War II, Korean, Vietnam und Lincoln Memorial. Auch hat mir meine Cousine die Universität, die sie besucht hat, gezeigt: George Washington University. Das Wetter war richtig gut, also sind wir fast überallhin gelaufen. Washington, DC ist wirklich sehr interessant und ich will unbedingt nochmal dorthin.
Im Mai war ich dann in Las Vegas, um meine Familie dort zu besuchen. Die Schwester meiner Großmutter und ihre Kinder, meine Cousins zweiten Grades, wohnen dort. Den Teil meiner Familie hatte ich seit neun Jahren nicht gesehen und es war richtig toll, alle wiederzusehen und Zeit zusammen zu verbringen. Mein Cousin, der momentan in Salt Lake City, Utah wohnt, kam über die Zeit auch nach Las Vegas, was den Besuch noch perfekt gemacht hat. Mein Cousin zweiten Grades arbeitet bei Planet Hollywood, einem Casino in Las Vegas, und kennt viele Leute dort. Das ermöglichte uns, in verschiedene Vorstellungen, Aufführungen und Orte umsonst reinzukommen. Ich habe sämtliche Casinos besichtigt, viel Zeit in der Sonne verbracht, und im Pool meiner Großtante geschwommen. Die Wüstentemperaturen machten es fast unmöglich, zu lange draußen zu sein, und Sonnencreme war ein Muss. Am ersten Tag war ich mit meinen Cousins auf dem Stratosphere, dem höchsten Gebäude Las Vegas’ (655 Fuß), und auf den Fahrgeschäften hoch oben auf dem Gebäude. Das war unglaublich. Man konnte ganz Las Vegas und die Berge im Hintergrund sehen.

Ich komme erst Ende Juli wieder zurück nach Deutschland und werde davor noch mit meiner Familie nach Cape Cod fahren, wo wir ein Strandhaus mieten und zwei Wochen verbringen werden. Im Juni habe ich viele Aktivitäten mit meinen Freundinnen geplant, wie zum Beispiel ein Wochenende auf Long Island am Strand und viele Tage in Manhattan zu verbringen.
Mein Auslandsjahr war sicherlich kein gewöhnliches, da ich mit meiner Familie gelebt habe, aber es war bis jetzt wohl eines der besten Jahren meines Lebens.
Viele mögen vielleicht sagen, dass es für mich wohl sehr einfach gewesen sein muss und dass ich Leuten, die mit einer fremden Familie bleiben wollen, nicht viel Rat geben kann. Ich denke, dass es sicherlich einfacher war, Familie hier zu haben, aber gleichzeitig muss ich sagen, dass es schon eine Umstellung ist, mit seinen Großeltern zu wohnen und zu einer katholischen Privatschule zu gehen.
Einen Rat den ich unbedingt geben will, ist, dass man, wenn einem die Möglichkeit gegeben wird, ein Jahr ins Ausland zu gehen, diese unbedingt nutzen sollte. Es ist wirklich eine einzigartige Erfahrung. Sicher ist es eine Umstellung, aber ich finde es sehr wichtig, solche Umstellungen zu durchleben, da sie einen stärker und weiser machen. Ich bin jedenfalls sehr glücklich, dieses Auslandsjahr gemacht zu haben!
Isabel Varban