Also, man stelle sich ungefähr fünfundzwanzig Jugendliche vor, irgendwie aus dem westlichen Norden Deutschlands, die alle im Foyer der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg (Standort Wechloy) warteten. Was sie alle eint: Die Vorfreude auf ein zweitägiges Seminar, vom 6. bis zum 7. Mai. Ein spannendes buntes Programm erwartete uns!
Lars aus meiner Parallelklasse und ich waren die „glücklichen Auserkorenen“ vom AGO, die nun mit allen anderen zusammen im Institut für reine und angewandte Chemie Vorträge hören und Praktika durchführen dürften. Allesamt wurden wir dort auch in einem Seminarraum von Herrn Prof. Dr. Müller begrüßt, wo wir schließlich in die Anfänge der Theorie eingewiesen wurden.
Um ehrlich zu sein, gruselte ich mich ja am Anfang ein bisschen, damit meine ich nicht die Stereotype des „typischen“ Professoren mit langen Bart und Hornbrille (der uns auch nicht begegnete), aber die mögliche Komplexität der Theorie und Anforderungen der Experimentierrunde. Doch, Pustekuchen, die Theorie wurde hervorragend erklärt, alle Fragen ausführlich beantwortet und glücklicherweise wurde auch über das „normale“ Schulniveau hinausgegangen!
Die „Komplexität“ lässt sich aber in vielerlei Hinsicht verstehen, denn in der Tat, es ging um die Komplexchemie des Kupfers und um Aminosäuren. Genauer gesagt, beschäftigte uns am ersten Praktikumsvormittag die Theorie mit Redoxreaktionen und den möglichen Komplexen des Kupfers (zum Beispiel die Anordnung von geladenen Teilchen um ein Kupfer-Ion zu einer bestimmten Form).
Nach einer ausführlichen Mittagspause, die wir in der ausgezeichneten Mensa der Universität verbrachten, stand schließlich das erste Praktikum bevor: Es sollte titriert werden und so die Konzentration einer Kupferlösung bestimmt werden. Außerdem sollten Reaktionen von Kupfersulfat beobachtet werden, das Blaufärbungen in diversen Flüssigkeiten verursacht.
Auf gut Deutsch (für Nicht-Chemiker): Unsere Tutoren (Studenten, die aufpassen sollten, dass wir doch keine kleinen Bomben bastelten) halfen uns (in Zweiergruppen), die Versuche durchzuführen, wobei wir hauptsächlich Flüssigkeiten miteinander verrührt haben oder vorsichtig hinzugaben (titrieren). Natürlich hatten wir vorher eine Sicherheitseinweisung erhalten und unterschrieben, schöner weißer Kittel und Schutzbrillen erhalten, vollständig säure- und basenfest.
Es lief alles erstaunlich gut; Gott sei Dank hatten wir ja auch noch die Ausrede, „Wir sind ja nur Schüler“ bereitzuhalten; nützlich, als zum Beispiel unsere Experimentiernachbarn plötzlich ihre Restmischung so geschickt zusammengegossen hatten, dass es kurzzeitig nach verfaulten Eiern roch (Schwefelwasserstoff).
Am zweiten Praktikumstag ging es schon ein bisschen tiefer in die Chemie hinein: Die Eigenschaften von Aminosäuren mit Basen und Säuren wurden untersucht. Nach einer theoretischen Einweisung (unter anderem auch in Isomerie und Polymerie) fing auch gleich die Praxis an, die zum Beispiel den kriminologischen Nachweis von Fingerabdrücken, das Gerinnen von Milch und die Reaktion, die bei einem bratenden Spiegelei passiert, mit einschloss.
Eine der zugehörigen Titrationen warteten Lars und ich gespannt auf den Farbumschlag, der nicht recht kommen wollte, bis uns schließlich das Licht aufging, dass wir statt einer Base eine Säure verwendet hatten, was sich als ziemlich peinlich, aber nicht dramatisch herausstellte.
Als wir schließlich auch dieses Praktikum abgeschlossen hatten, wurden noch letzte Fragen von Herrn Prof. Dr. Müller beantwortet, der uns mit einem Schlusswort verabschiedete.
Alles in allem denke ich (und Lars hat mir da zugestimmt!), dass wir alle an der Universität zwei exzellente Tage erlebt haben, in denen wir unglaublich viele Erfahrungen sammeln dürften. Das schließt vor allem das Niveau der vermittelten theoretischen Grundlagen als auch die Experimente mit ein, die wir so in der Schule schwer hätten durchführen können, da Zeit und örtliche Gegebenheiten schlicht und einfach fehlen. Außerdem, wem macht es nicht Spaß von der Schule befreit zu werden, um mit super motivierten Studenten und Professoren selber „forschen“ und basteln zu dürfen?!
Auch das eigentliche Ziel (die Vorbereitung zur Teilnahme an der Internationalen Chemieolympiade (IChO) 2011) wurde mit Verteilung der Aufgaben der ersten Runde unterstrichen. Die IChO ist dabei in vier Ebenen eingeteilt, und die vier besten Schülerinnen und Schüler Deutschlands nehmen schließlich an der Internationalen Olympiade teil, die 2011 in der Türkei stattfinden wird. Mehr Informationen gibt es hierzu auch unter: www.icho.de
Ich bin der festen Überzeugung, dass wir, alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars, so nun begeistert an diesen Wettbewerb herangehen werden, da Teile des absolvierten Praktikums und der Theorie auch in der Olympiade zur Geltung kommen werden.
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