Am 23. August 2010 spricht Prof. Dr. Hans Bernsdorff (Frankfurt a. M.) in der Aula des Alten Gymnasiums über »Griechische Bildung in Rom«. Weil im Vorfeld ein ungewöhnlich starkes Interesse daran bekundet wurde, hat Herr Bernsdorff sich bereit erklärt, seinen Vortrag am selben Tag zweimal zu halten. Die Nachmittagsveranstaltung um 15:00 Uhr ist bereits restlos ausgebucht, für die Abendveranstaltung um 19:00 Uhr sind nur noch wenige Plätze frei. Über seinen Vortrag schreibt der Referent:
»Die tiefe Verpflichtung der römischen Literatur, Kunst und Philosophie gegenüber den Griechen – von Cicero in seiner Rede für den Dichter Archias exemplarisch beschrieben – ist nicht nur zum Verständnis der römischen Kultur selbst unerlässlich, sondern fungiert auch als grundlegendes Modell des europäischen Humanismus. Nicht umsonst bezeichnete man die Römer als die ersten Vertreter dieser Tradition. Neben solchen grundsätzlichen Beziehungen beleuchtet der Vortrag anhand eines konkreten Textes (Senecas 53. Brief über das Erlebnis einer Seekrankheit), wie sich verschiedene griechische Modelle hinter einem auf dem ersten Blick eher unscheinbaren Text verbergen und durch ihr Zusammenwirken zum ästhetischen und intellektuellen Genuss beitragen können. Besonders Gewicht soll dabei darauf gelegt werden, zu zeigen, wie sich durch eine erst 1970 gefundene griechische Inschrift aus Kleinasien ein wichtiges, bislang nicht vermerktes Modell Senecas erschließen lässt.«
Professor Dr. Hans Bernsdorff, geb. 1965, besuchte das altsprachliche Friedrichs-Gymnasium in Herford und studierte Gräzistik, Latinistik und Philosophie in Göttingen. Nach einer Lehrtätigkeit als Assistent in Göttingen und einem Heisenberg-Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft wurde er 2002 als Professor für Klassische Philologie nach Kiel berufen; seit 2003 lehrt er an der Frankfurter Goethe-Universität. Er hat Monographien zu Homer, hellenistischer Dichtung und Ovid verfasst. Seine derzeitigen Arbeitsgebiete sind archaische griechische Poesie, römische Dichtung der späten Republik, antiker Roman und Papyrologie. Zurzeit bereitet er für Oxford University Press einen ausführlichen Kommentar zu dem frühgriechischen Lyriker Anakreon vor. Im Wintersemester 2010/11 wird Bernsdorff, unterstützt von der Fritz-Thyssen-Stiftung, am Wadham College (Oxford) forschen.
.
Empfehlen Sie diesen Artikel weiter: