Altes Gymnasium Oldenburg

Wie Julius Caesar in die Fanmeile kam

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Die Reihe der altertumswissenschaftlichen Vorträge, die unser Fachobmann Dr. Matthias Hengelbrock seit März 2008 organisiert, findet inzwischen in ganz Niedersachsen und darüber hinaus hohe Wertschätzung. Im Kern geht es darum, Abiturthemen aus akademischer Perspektive zu vertiefen und Einblicke in geisteswissenschaftliches Arbeiten zu vermitteln; der nächste Vortrag richtet sich jedoch mit einem eher unterhaltsamen Thema an ein breites Publikum (Schüler ab der 10. Klasse und Erwachsene ohne spezielle Vorkenntnisse).

Prof. Dr. Karl-Wilhelm Weeber, der sich durch eine Fülle von Publikationen zum Alltagsleben und zur Alltagssprache um das kulturelle Erbe der Römer sehr verdient gemacht hat, wird am Montag, dem 13. September 2010, um 19.00 Uhr seine Zuhörer darüber aufklären, »wie Julius Caesar in die Fanmeile kam« und »warum wir alle lateinisch sprechen, ohne es zu wissen.« Der Wuppertaler Gelehrte ist bekannt dafür, unkonventionelle Blicke auf die Antike zu werfen und seine Forschungsergebnisse mit einer gehörigen Prise Humor zu präsentieren; dies ist allein schon der Gliederung seines Vortrags zu entnehmen:

I. Dominanz und Disziplin – Eine Begrüßungs-Salve

II. Dekadenz-Alarm – Si tacuisses, Guido!

III. Trumpf und Triumph – Wie Caesar in die Fanmeile kam

IV. Proband oder Probant? – Deutsch-Nachhilfe durch Latein

V. Latinum in latrinam? – Vom Frust der Latein-Verweigerer

VI. Lehnwörter – Wie geschickte Tarnung zum Aha-Erlebnis wird

VII. 12 = 10 – Roms Kalender für die Welt

VIII. Denglisch ist Denglatein! – Jil Sanders giving story für Latein

IX. Von Checkern, Prolls und Ranzratten – Krasse Sprache Latein

X. Alles ist steigerungsfähig, auch der Superlativ – Kostproben von Dummlatein

Dass vom Affekt bis zum Infekt, vom Defekt bis zum Konfekt alles lateinisch »gemacht« ist, weiß man, oder man ahnt es zumindest. Da die Gelehrtensprache Europas rund 1000 Jahre lang Latein gewesen ist, überraschen die vielen ins Deutsche übernommenen Fremdwörter kaum. Spannender indes sind die Lehnwörter. Sie passen sich schnell ihrer neuen Sprachumgebung an und tarnen sich geschickt. »Nüchtern« und »rappelig« zum Beispiel: Beide Wörter klingen »urdeutsch« und entstammen doch der Sprache der Alten Römer. Eines der frühesten Lehnwörter, das die Germanen ebenso wie die Sache selbst ganz be­geistert importiert haben, war die römische Zivilisations­droge vinum, der »Wein«.

Neben Fremd- und Lehnwörtern stößt man im Deutschen auf einen breiten Kulturwortschatz, der auf das Alte Rom zurückgeht; so haben wir exempli gratia (e. g. = »for instance«) unsere Monate und den größten Teil unserer Wochentage sprachlich von den Römern ererbt. Bei Denglisch – für Sprachpuristen der wahre Horror! – können Latein-Fans ganz relaxed bleiben – das meiste davon kommt eh aus dem Alten Rom. Schließlich werden wir bei unserer sprachlichen Spuren­suche auch eine kurze Exkursion in die Jugendsprache wagen, und am Ende steht eine Peinlichkeit (poena) namens Dummlatein.

Sollte uns der Mond, die luna, gewogen sein, so dürfte ob mancher Aha-Erlebnisse die »Laune« des Auditoriums stabilisiert sein. Das wäre ein im ursprünglichen Sinne »feines« Ende (finis).

Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist wie immer frei, am Ausgang wird um eine Spende zur Deckung der Kosten gebeten.

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