Altes Gymnasium Oldenburg

Prof. Dr. Kuhlmann begeistert mit “Seneca und die Stoa”

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Am Montag, dem 21. Febraur, strömte ein buntes Publikum in die Aula, um Herrn Prof. Dr. phil. Kuhlmanns Vortrag „Seneca und die Stoa“ zu hören; schon fast wie in einer Philosophieschule, deren Geschichte und bekanntester Vertreter (Seneca) an diesem  Abend im Zentrum stehen sollten.

Die philosophischen Ergüsse der Römer seien aufgrund der geringeren Sensationalität und Klatsch-und-Tratsch-Güte in einigen Fernsehsendern in den Hintergrund gerückt ; auch viele wissenschaftliche Zeitschriften widmen sich häufig lieber der einschüchternden Armee. Im Gegensatz dazu bietet die Stoa so einige praxis-taugliche Anhaltspunkte.

Aber Moment, was ist nun eigentlich die Stoa oder diese anscheinend so perfektionistisch-orientierte Philosophiekonstrukt? Eine Säulenhalle, in Athen, eigentlich. Seneca griff die idealistischen Ideen des berühmten Philosophen Platons auf. Lucius A. Seneca selber wurde um Jesu Geburt in Spanien geboren – hatte Glück mit seiner Familie (die Mutter, die sein philosophisches Interesse förderte) und den Römern selber, die die Provinz mit Steuern und Abgaben belasteten, jedoch auch Handel, Kultur und das römische Bürgerrecht förderten. Seneca profitierte hiervon eindeutig und genoss eine gründliche Ausbildung, die ihn schließlich auch zum Betreuer des berüchtigten Kaisers Nero werden ließ. Zu bedenken sind angehängte Liebeleien, weswegen Seneca zeitweise ins Exil geschickt wurde, letztendlich aber die begehrte politische Laufbahn bis zum Konsul einschlagen konnte. Ausgerechnet Nero zwang Seneca am Ende seines Lebens zum Selbstmord; ein bisschen wie der große Philosophenstar Sokrates starb er also im Alter von 64 Jahren.

Doch hinterließ er ein weises Werk, eine fast die ganze Welt erklärende Lehre: Der sog. „logos“ (eine Art göttlicher Geist) wohnt in allem und jedem und lenkt alles nach logisch-rationalen Grundsätzen. Darauf aufbauend soll der Mensch ein Ziel haben: Die Vernunft (lat. ratio) vervollkommnen. Mit der sei auch moralisch richtiges Handeln garantiert (lat. virtus; auch als das, was einen „echten Mann“ ausmacht, bekannt); außerdem sei das, was Ehre einbringt, sowieso gut (dann ein sog. lat. honestum), was sich insgesamt gut mit der Mentalität der Römer in Einklang bringen ließ.

Die Einteilung in Gut und Böse erfolgt mittels einer Skala der Seelenruhe, die es zu erreichen galt; kein Wunder in Zeiten heftiger politischer Unruhen und Schwankungen. Dafür mussten aber Reichtum, Freunde und Gesundheit zurückgestellt werden: sie sollten möglichst unwichtig werden – gutes Essen zum Beispiel sei aber im Endeffekt doch als begünstigend anzusehen, nicht aber direkt erstrebenswert.

Auf heute  übertragen (speziell auch den Lateinunterricht ins Auge fassend) können viele Aspekte sich als nützlich erweisen: Sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, mit Vernunft handeln und das Schicksal hinnehmen besitzt eine gewisse Aktualität. Nichtsdestotrotz sollte man einigen Ansichten skeptisch gegenüberstehen (z. B. auch der Unwichtigkeit einer Partnerschaft).

Eine Hauptintention Senecas war es, zum Philosophieren zu ermutigen und zu überzeugen – was an diesem Abend wahrlich gelang (und die Hörer durch reges Fragen und Diskutieren am Ende des Vortrags kundtaten). Ein Horizont erweiternder, klarer und unterhaltender  Vortrag also, der glücklicherweise auch das Zentralabiturthema der jetzigen Qualifikationsphase traf.

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