Mit einer Kurzreise nach Berlin endete für 23 Schülerinnen und Schüler aus den Klassen 9a und 9 b der von Dr. Burkard geleitete Wahlpflichtunterricht im Fach Wirtschaft. Von 2008 bis 2011 hatten sich die jungen Leute nicht nur theoretisch mit aktuellen und alltäglichen ökonomischen Themen (vom Einkauf im Supermarkt über private und öffentliche Verschuldung bis zur Globalisierung) auseinandergesetzt, sondern auch praktisch durch die Gründung und den Betrieb des Schülerunternehmens „no name“. Es war von vornherein geplant, den Gewinn nicht auszuschütten, sondern für eine Exkursion zu nutzen So konnte mit dem Reinertrag der recht erfolgreichen Geschäftstätigkeit in den Jahren 2009 und 2010 ein erheblicher Teil der Berlinreise am 23. und 24.6.2011 finanziert werden.
Erster Programmpunkt war der Besuch der Gedenkstätte Hohenschönhausen, dem früheren zentralen Untersuchungsgefängnis des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Durch das Gefängnis führten Zeitzeugen, die höchst eindrucksvoll ihre Erfahrungen mit der Willkürjustiz und den perfiden Verhörmethoden der Staatssicherheit schilderten. Hier wurde bis 1989 die Menschenwürde im Wortsinne „angetastet“. Die DDR war bei ihrem Zusammenbruch eben nicht nur ökonomisch, sondern auch moralisch bankrott.
Bei einem Stadtspaziergang vom Berliner Dom bis zum Brandenburger Tor passierten wir im Schnelldurchlauf Stationen preußischer und deutscher Geschichte: der Balkon, von dem 1918 Karl Liebknecht die Räterepublik ausgerufen hatte, das Reiterstandbild Friedrichs des Großen, die Humboldtuniversität mit der Galerie ihrer 29 Nobelpreisträger, direkt gegenüber der Ort der nationalsozialistischen Bücherverbrennung, die Botschaften der großen Mächte. Am Brandenburger Tor die Erinnerung an ein Zitat Richard von Weizsäckers: „Die deutsche Frage ist so lange offen, wie das Brandenburger Tor geschlossen ist.“ Nun ist das Tor endlich wieder offen und Menschen aus aller Welt strömen an diesen Ort, der so viele Herrscher und so viele Regimewechsel gesehen hat.
Der nächste Tag begann mit einer bemerkenswerten Fragestunde im Bundeswirtschaftsministerium. Der leger gekleidete Protokollchef des Ministeriums mit echt Berliner „Schnauze“ genoss offensichtlich die Fragenkanonade des Wahlpflichtkurses zur Staatsschuldenkrise und zur Zukunft des Euro, aber auch zu den zahlreichen Ministerwechseln der letzten Jahre. Und die Schülerinnen und Schüler dankten ihm für eine spannende und lehrreiche Wirtschaftsstunde.
Den Abschluss der Tour bildeten ein kurzweiliger Vortrag im Plenarsaal des Bundestags und der obligatorische Gang durch die Reichstagskuppel, die dem Volk einen ständigen Einblick in das Parlament bietet und die Abgeordneten stets an ihren Auftraggeber erinnert, der über ihren Köpfen wandelt: das Volk, von dem nach dem Grundgesetz alle Staatsgewalt ausgeht. Die perfekte Organisation der Informationsbesuche im Bundestag und im Wirtschaftsministerium verdankt der Wahlpflichtkurs im Übrigen der Unterstützung des Parlamentarischen Staatssekretärs und Bundestagsabgeordneten für den hiesigen Wahlkreis Thomas Kossendey.
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