Über das zwar herbstlich kühle, aber wenigstens trockene Wetter kann man sich ja eigentlich nicht beklagen – weder sind unsere Straßen mit Eis und Schnee bedeckt, noch durchnässt es einen bis auf die Knochen, nur, weil man kurz zum Bäcker fahren musste. War man jedoch jüngst eine Woche in der schönen Stadt Malaga, im Herzen Andalusiens in Spanien, so erscheint einem das heimisch-herbstliche Wetter wie ein Schlag ins Gesicht. So viel zum pathetischen Teil und wir können wirklich sagen, daß wir gutes Wetter hatten.
Doch damit nicht genug: gesunde acht Grad trieben uns schnell in den Bus, mit dem wir zum Flughafen Weeze kutschiert wurden – ab in den Flieger und tschüss: Vier Stunden später standen wir im Licht der letzten Sonne am Flughafen in Malaga, ein gemütliches Sommerlüftchen um die Ohren, anderthalb Stunden später hatten wir uns bereits gut eingelebt in der Jugendherberge und wurden von Koch Pedro gewissenhaft mit regionalen Köstlichkeiten versorgt.

Am ersten Tag unseres Aufenthalts (Montag) erkundeten wir ab dem frühen Morgen Malaga, eine angenehme City mit historischem Stadtkern, in deren Orangenbaum-gesäumten Straßen man schnell das Sein vergisst. Trotz des Frühstücks stellte sich beim Besuch des Marktes schnell wieder Hunger ein; „La Manquita“ – die einarmige Kathedrale wahrhaft monumentalen Charakters wurde noch besichtigt, bis wir schließlich auf die unzähligen Tapasbars, Restaurants und Bistros in den Gassen Malagas losgelassen wurden. Für eine angemessene Kalorienverbrennung sorgte der Aufstieg auf den Gibralfao, den malagenische „Stadtberg“, der von einer maurischen Festung gekrönt, einen umwerfenden Ausblick auf die Bucht, die Parks und die Altstadt bot. Stießen manche aufgrund der steilen Strecke und der ungewohnten Temperaturen (gesunde 32 Grad) an ihre Grenzen, genossen andere die Anstrengung und den belohnenden Ausblick – im Anschluss folgte Freizeit, urlaubsmäßiges Entspannen am Stadtstrand oder in den kühlen Parks voller tropischer Vegetation.
Am zweiten Tag ging es früh los nach Granada, eine der großen historischen Stätten Spaniens, in der wir die gigantischen Palastkomplexe vergangener Herrscher, die Alhambra, besichtigten, wo wir uns tapfer durch Horden von Touristen und kleinkarierten Aufsehern kämpften. Anschließend stiegen wir durch die engen, für Autos größtenteils nicht befahrbaren Gassen auf die umliegenden Berge, wo wir uns bei spanischer Musik und Snacks verlustierten – dieser Ausblick sucht sicherlich lange seinesgleichen. Am Abend, zurück in Malaga, erkundeten wir noch das umliegende Gelände – vor unserer Jugendherberge lud ein Park voller Zitrusbäume zum feuchtfröhlichen Miteinander ein: das Beste: die kleine Cola light für nur 70 Cent!

Der Mittwoch sollte sich besonders interessant gestalten: in Ermangelung eines konkreten Plans hatten wir spontan beschlossen, in das Naturschutzgebiet „El Torcal“ zu fahren. Dort erstrecken sich riesige Felsformationen kilometerweit: ein Paradies für alle bewegungsmotivierten Schüler; wir erklommen auch die höchsten Gipfel in bester Reinhold-Messner-Manier. Dabei sahen wir unter anderem wilde Bergziegen und den fast ausgestorbenen Mönchsgeier. Hinterher waren wir natürlich alle erledigt, aber die Tour war wirklich beeindruckend – und als ob ein wenig körperliche Erschöpfung uns von weiteren Touren in die Innenstadt Malagas hätte abhalten können.
Ronda liegt inmitten der weiten Ebenen der Sierra Nevada, ein Ort, der unter anderem für den Dichter Rilke ein Platz des Friedens und der stillen Inspiration war, außerdem die sogenannte „Wiege des Stierkampfs“ und besitzt ein einmaliges Stadtbild. Ist Ronda auch bevölkert mit (deutschen) Touristen, so ist aber der Anblick der Brücke, die sich über die Schlucht spannt und beide Stadthälften miteinander verbindet, ein wahrhaft großartiger. Bewegend ist es, steht man am Rand der senkrecht abfallenden Schlucht und blickt auf die kleinen, fernen Häuser, unten im Talgrund. Im Laufe des Tages besichtigen wir noch die alten, arabischen Bäder, einen alten Palast mit mehreren herrlich kühlen Innenhöfen und die spektakuläre alte Stierkampfarena Rondas, in der vor hunderten von Jahren der spanische Stierkampf seinen Ursprung hatte. Toptemperatur des Tages: 42 Grad Celsius. Gesundes Oktoberwetter, olé. Anschließend genossen wir noch lange das Flair Malagas, die gelöste Atmosphäre, eine frische Brise und andere Abkühlungen zur Feier des Abends. Unsere letzte Nacht in Malaga und gleichzeitig unsere letzte Nacht in einer Jugendherberge mit dem Kurs oder der Klasse auf so einer umwerfenden Fahrt war noch bis in frühe Morgenstunden Anlass für ein teilweise fröhliches und auch irgendwie melancholisches Miteinander.
Der Freitag stand – leicht übernächtigt – im Zeichen des Kofferpackens. Der Besuch der Alcazaba, der neu renovierten Stadtfestung Malagas, und ein letzter Bummel durch die morgentlich belebten Straßen bestätigten uns in dem, was ohnehin schon eher klar war, nämlich, daß es unterm Strich eine entspannte Kursfahrt war, mit einer gesunden Mischung aus Kulturprogramm, Freizeit und Spaß. Mehr als nur ein Hauch von Urlaub.
Die Heimat begrüßte uns mit einem unvergleichlichen Sonnenuntergang, den wir vom Flugzeug aus bewundern konnten. Es schien fast, als hätte die Heimat begriffen, daß sie kontern musste, damit wir ihr nach dieser Woche (doch) noch etwas abgewinnen konnten. Und noch bis spät in die Nacht hallten die nostalgischen Klänge dieser Kursfahrt durch den Bus.
Dos cervecas por favor, ja das kommt uns Spanisch vor.
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