Altes Gymnasium Oldenburg

Die Strategie des Türaufhaltens – Prof. Dr. Holzbergs Vortrag über die Liebeselegie

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Wenn der Herr der Dame die Tür aufhalte, dann sei das auch schon ein Teil einer subtilen Strategie, übertrug Herr Prof. Dr. Niklas Holzberg Ovids Lehrwerk auf die heutige Zeit, nicht ohne dabei einige Lacher auszulösen. An dem vergangen Montagabend sollte es aber nicht nur um Ovids Ratschläge gehen, sondern allgemein um das sich wandelnde Motiv der Liebe bei den römischen Elegikern; der Referent dieses äußerst kurzweiligen, humoristischen und interessanten Vortrags war auch einst AGO-Schüler und lehrt nun als Professor für Klassische Philologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Sehr locker und offen (ohne Mikrofon, “man fühlt sich sonst wie bei “Raumschiff Enterprise”) begann Prof. Dr. Holzberg mit der üblichen Struktur einer Liebeselegie: das Aufflammen der Liebe, ein Auf und Ab und schließlich die Trennung ohne Friede-Freude-Eierkuchen-Gehabe. In der Regel handelte es sich auch nicht um eine sozial akzeptierte Liebe: Ein vornehmer Römer liebt eine Freigelassene, hält sie als eine Art Hetäre, träumt aber von einer eheähnlichen Konstellation.

Einige römische Dichter waren nun bereit, für ihre Herrin (domina) ihre Freiheit und die Nächte im warmen Bett aufzugeben, stattdessen warteten sie auf die Geliebte vor deren Haustür. Zumindest schrieben sie dies so, um zu verdeutlichen, dass sie sich sklavenartig der Liebe hingaben. Vor allem die Elegiker Gallus (weniger bekannt), Tibull, der das Landidyll verehrt, und Properz, der die Ehre der Herrin hoch hält, führen einen solchen Rollentausch durch, so dass sie selbst untergeben sind.

Ovid dagegen klagt nicht über den Schmerz und das harte Liebesleben, sondern möchte die leichte Liebe genießen und stellt seine Ratschläge zur Eroberung der Geliebten zusammen, damit auch andere die Einfachheit der Liebe erleben mögen. Dabei solle man die besagte Strategie anwenden, sich rührend um die Dame kümmern und dafür auch keinen Schmerz scheuen. Genau an dieser Stelle divergiert Ovids Ansicht von den bisherigen Dichtern: Sich der Geliebten absolut zu verschreiben war einmal, nun gibt man nach und ist sanft, um am Ende wiederum selbst Herr der Lage zu werden.

Mit diesem Streifzug durch die Lyrik mit vielen Erläuterungen und Anekdoten aus der Altertumsforschung traf Prof. Dr. Holzberg einen der Themenschwerpunkte der Oberstufen-Lateinkurse; doch weit darüber hinaus gestaltete sich so ein intellektuell amüsanter Abend in entspannter Atmosphäre. Weiter geht’s am 18. September mit „Zeit und Freizeit im Alten Rom“, wofür Prof. Dr. Karl-Wilhelm Weeber, der schon einmal einen Vortrag im Rahmen der Altphilologischen Vorträge am AGO gehalten hat, kommen wird.

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