„Der Kick" auf der Aulabühne

„Der Kick" auf der Aulabühne

Mit der Aufführung des dokumentarischen Theaterstücks „Der Kick“ auf der Aulabühne hat das Seminarfach ‚Darstellendes Spiel‘ das Publikum wieder einmal überzeugt und berührt. Bereits im Juni hatte die Gruppe das Stück im Rahmen der Jugendtheatertage in der Exerzierhalle gezeigt.

Die Autoren Andres Veiel und Gesine Schmidt haben für das Theaterstück „Der Kick“ die brutale Tötung des Jugendlichen Marinus Schöberl durch seine etwa gleichaltrigen Kumpel in Potzlow im Jahr 2002 zum Anlass genommen, sich mit unterschiedlichen Menschen, die aus dem Umfeld des Toten und der Täter stammen, zu sprechen und Informationen zu sammeln: Eltern, Geschwister, Freunde, Lehrer, Sozialarbeiter, Rechtsanwälte, Bürgermeister usw. Aus dem zusammengetragenen Material haben die Autoren ein Theaterstück verfasst, das dem dokumentarischen Theater zuzurechnen ist und mithin einen hohen Grad an Authentizität besitzt. Das Theaterstück überzeugt vor allem durch die Sprache der Figuren bzw. die Unfähigkeit vieler Beteiligter über die eigene Lebenssituation zu reflektieren und zu kommunizieren. Die Menschen des brandenburgischen Ortes wirken in der Nachwendezeit desorientiert. Jugendliche konsumieren bereits in jungen Jahren reichlich Alkohol, neigen zu körperlicher Gewalt und kriminellen Handlungen, aber werden offenbar durch Eltern, Schule und Staat nicht hinreichend begleitet. Die Situation eskaliert, als der 16-jährige Marinus Schöberl von drei seiner Kumpel, mit denen er zuvor zusammen ‚gefeiert‘ hatte, zunächst durch den sogenannten ‚Bordsteinkick‘ getötet und anschließend in einer Jauchegruppe versenkt wird.

Die Seminarfachgruppe, die von Inga Kirchhoff geleitet wird, hat sich im vergangenen Jahr nicht nur mit Text und Inhalt des vorliegenden Stückes vertraut gemacht, sondern auch unterschiedliche Techniken des Schauspiels erprobt und für beide Aufführungen Inszenierungen entwickelt. Mit der existenten unvorstellbar brutalen Gewalt des Ereignisses, das dem Stück zugrunde liegt, haben sich die Schülerinnen und Schüler intensiv beschäftigt. Einige sind in die Rollen der Täter geschlüpft, haben ihnen Menschlichkeit gegeben, die die Täter auch zu Opfern ihrer Lebenswirklichkeit werden lässt. Wegen der beiden sehr unterschiedlichen Aufführungsorte musste die Seminarfachgruppe zwei je eigene Inszenierungen entwickeln, bei denen jeweils auch einige andere Darsteller die Rollen einnahmen. Beide Aufführungen haben sich gelohnt.

Mit dem Thema der Gewalteskalation in Zeiten gefühlter sozialer Nutzlosigkeit sieht sich die Gesellschaft nicht nur unter Jugendlichen in Brandenburg konfrontiert.

Fotos: A. Feldhege