Ein Zeichen setzen! Kooperation mit dem Hospiz St. Peter  

Ein Zeichen setzen! Kooperation mit dem Hospiz St. Peter  

Elf Schulen, 18 Klassen, 400 Schülerinnen und Schüler, ein Hospiz. Eine ungewöhnliche Kombination, die zunächst einer Erklärung bedarf. Aber soviel vorweg, alle mit dem gleichen Ziel: Den Tod enttabuisieren! 

Zum 25jährigen Bestehen des Hospiz St. Peter in Oldenburg hat sich das AGO dem „Team Zirkel“ angeschlossen und sich einem der schwersten aller Themen des Lebens im Unterricht literarisch sowie künstlerisch gestellt. Zehn weitere Schulen aus Niedersachsen schlossen sich ebenfalls an. Jeder Schüler hatte dabei die Möglichkeit, sich selbst ein Thema zu wählen. Diese Herangehensweise holt Schüler:innen emotional dort ab, wo sie gerade stehen. 

Herausgekommen ist ein sehr lesenswertes Buch, das einen breiten Bogen schlägt von der Hospizarbeit über Erfahrungen mit dem Tod bis zu Gedichten, in denen Schüler:innen ihre Emotionen zu Trauer und Tod lyrisch verarbeitet haben. 

Durch die Corona-Pandemie verzögerte sich die Arbeit an dem Projekt und auch die Abschlussfeier für die Schüler:innen, die Lehrkräfte und das Hospiz um ein ganzes Jahr. „Nicht immer war es einfach, die Schüler bei so einem sensiblen Thema aus dem HomeOffice heraus zu begleiten“, so Frau Lehmann, „aber mein Kurs war so motiviert und interessiert, das alles am Ende doch hervorragend geklappt hat. Sie sind sehr stolz auf ihr Buch und das können sie auch sein!“

Die Freude, dass die Veranstaltung in der Aula des Alten Gymnasiums nun doch noch einen würdigen Abschluss markieren konnte, war groß.

Herr Felder, Leiter des Projektes, konstatierte zu Beginn der Veranstaltung: „Sterben passt nicht in unsere heutige Lebensplanung. Wir halten uns für unbesiegbar, unantastbar, unverwundbar. Den Tod, so nehmen viele an, haben wir verbannt; er ist, wenn überhaupt, eine Sache der Alten. Aber das Sterben gehört zum Leben, leider auch zu dem von jungen Menschen.“ 

Während der Veranstaltung wurde mehrfach betont, dass das Projekt ausgerechnet mit dem Beginn der Corona-Pandemie zusammenfiel, mache dieses nicht nur außergewöhnlich, sondern das Thema traurigerweise sehr erfahrbar für die Schülerinnen und Schüler.

Schulleiter Frank Marschhausen bemerkte: „Ich habe Texte in dem Buch gelesen und es sind Passagen dabei, die zu Tränen rühren, weil man sich wünscht, dass junge Menschen solche Schicksalsschläge nicht erleiden müssen, und weil man sich wünscht, dass Kindheit und Jugend noch nichts mit dem Tode nächster Angehöriger zu tun haben sollten. Doch was können wir aus dem Buch mit seinen eindrucksvollen Texten und Bildern mitnehmen? Viele Dinge und vor allem: Dankbarkeit! Dankbarkeit für das Leben selbst. Dankbarkeit für jede Spanne des Lebens, die wir in Gesundheit verbringen dürfen, und Achtung vor dem Leid unserer Mitmenschen, die und das uns dann zum menschlichen Handeln im Miteinander und Füreinander aufruft. Das Buch führt uns wieder die Zerbrechlichkeit des menschlichen Lebens vor Augen sowie die Machtlosigkeit des Menschen. Eure Texte und Bilder, liebe Schülerinnen und Schüler zwingen zum Nachdenken. Unsere Gesellschaft hat sich aus unterschiedlichen Gründen in vielem zu einer Ellenbogengesellschaft entwickelt, in der das Leid, die Sorge und der Kummer des Nächsten oft nicht mehr genügend Beachtung findet. Wenn ich mir aber ein solches Projekt ansehe und dabei auf solche Texte und Bilder stoße, habe ich Hoffnung, dass emotionale Teilnahme und Nähe, Offenheit und Aufgeschlossenheit viele junge Menschen bestimmt. Das macht optimistisch für die Zukunft.“

Neben den Texten wurden natürlich auch die Kunstwerke präsentiert, die die Schüler:innen im Kunstunterricht von Frau Ellinghusen-Cappelmann erstellt hatten: Sterberäume im Einmachglas, Gefühle als Figur dargestellt? Das klingt ungewöhnlich. Ist es auch und vor allem einen zweiten Blick wert.

Die Veranstaltung wurde auch musikalisch begleitet. Kristjan Klauke und Sophie Frank wählten hierfür wunderbare Klavierstücke, die zu Beginn und am Ende die Feier abrundeten.

Fotos: Sascha Stüber