Erstmals chinesische Sprachprüfung am Alten Gymnasium

Erstmals chinesische Sprachprüfung am Alten Gymnasium

Die chinesische Sprache macht es Schülerinnen und Schülern nicht leicht. Wer in die fremde Welt der chinesischen Sprache und Schriftzeichen eintauchen möchte, braucht Zeit und viel Disziplin. Drei Schülerinnen vom Alten Gymnasium Oldenburg, Alina Will, Hannah Hackmann und Victoria Schwols, haben sich nach einem zweijährigen Sprachunterricht im Wahlpflichtkurs Wirtschaft-China auf diese Herausforderung eingelassen und nahmen am „Youth Chinese Test (YCT)“ teil. Aus Peking erhielten sie jetzt die Nachricht über ihre erfolgreiche Teilnahme. Am Freitag durften sie aus den Händen des Schulleiters Frank Marschhausen die Zertifikate entgegennehmen. Der im Konfuzius-Institut in Bremen durchgeführte international standardisierte chinesische Sprachtest prüfte die Schülerinnen auf Text-, Sprach- und Hörverständnis. Die chinesische Sprache unterscheidet sich in ihrer Struktur stark von den indoeuropäischen Sprachen. Beim Erlernen ist nicht nur die große Anzahl an Schriftzeichen, sondern auch die ungewohnte Aussprache des Hochchinesischen mit den vier Tönen herausfordernd. So ist eine Änderung im Ton auch mit einer Bedeutungsänderung eines Wortes verbunden. „Das Tolle an der Sprache ist“, betont Victoria, „dass man in den Worten die Kultur des Landes wiedererkennen kann. Die Kombination von Schriftzeichen ergibt wieder ein neues Wort. Die Verknüpfung der Schriftzeichen für ‚Wissenschaft’ und ‚Zahl’ ergibt das neue Wort Mathematik“, ergänzt sie. Auf die Frage des Schulleiters, wie sie die Sprache später nutzen möchten, verweist Hannah auf ihre Reisefreudigkeit: „Nach dem Abitur möchte ich viel Reisen und es ist schön, sich vor Ort mit Menschen in ihrer Muttersprache zu verständigen.“ Beide betonen, dass der Test für sie zu einer besonderen Herausforderung wurde, als in Bremen die Entscheidung fiel, sie nicht an der Prüfung auf der ersten, sondern bereits auf der höheren zweiten Prüfungsstufe teilnehmen zu lassen. 

Die chinesische Schrift ist das weltweit einzige im Gebrauch befindliche System, das auf semantische Elemente – also Sprach-Zeichen – zur Visualisierung von Sprache zurückgreift. Es stellt eine besondere Herausforderung an die kognitiven Fähigkeiten der Lernenden dar. 

Am Alten Gymnasium Oldenburg können Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Wahlpflichtkurses Wirtschaft-China diese Sprache erlernen. „Unser Ziel ist es, dass die Schülerinnen und Schüler über Landeskunde und Sprache Verständnis für die chinesische Kultur entwickeln“, sagte AGO-Leiter Frank Marschhausen. Sprachkenntnisse und Wissen über das Land haben nicht nur einen Bildungseffekt, sondern stellen auch eine ausgezeichnete Qualifikation auf dem Arbeitsmarkt dar. 

Doch eine Sprache lernt man nicht nur für den Lebenslauf oder die Karriere: „Fremde Sprachen zu beherrschen eröffnet neue (Denk-)Welten, den Zugang zu Menschen und den schriftlichen Zeugnissen ihrer Kultur und Geschichte“, hebt der betreuende Lehrer Ludger Hillmann hervor.  Die chinesische Sprache wird als hohe Hürde wahrgenommen, „aber die Befriedigung über die Lernerfolge ist auch umso größer“, betont Hannah.

Das Alte Gymnasium Oldenburg schloss vor fünf Jahren mit Unterstützung des China-Büros der Stadt einen Kooperationsvertrag mit der Mittelschule 89 in Xi’an. Beide Schulen pflegen einen regelmäßigen Austausch, der es den Teilnehmenden erlaubt, in Familien des jeweiligen Landes den Alltag des Gastgebers kennen zu lernen. Erst im Oktober 2019 haben Schülerinnen und Schüler des 10. AGO-Jahrgangs ihre Altersgenossinnen und Altersgenossen in Xi’an besucht. Ein geplanter Besuch im vergangenen musste aus Pandemiegründen abgesagt werden. Ein weiterer Kooperationsvertrag mit dem Konfuziusinstitut Bremen erlaubt es dem AGO, auch das Erlernen der Grundzüge der chinesischen Sprache anbieten zu können. So vermittelt aktuell der chinesische Sprachlehrer Tianyi Yu den Lernenden einen kontinuierlichen Kompetenzaufbau der chinesischen Alltagssprache in Wort und Schrift im Rahmen des Wahlpflichtkurses „Wirtschaft – China“ in der  9. und 10. Jahrgangsstufe. In diesem Jahr ist geplant, alle Schülerinnen und Schüler der 10. Jahrgangsstufe des Wahlpflichtkurses Wirtschaft-China an dem Test teilnehmen zu lassen. 

Die Zusammenarbeit mit Xi’an geht auf die im Jahr 2007 vom damaligen Oberbürgermeister Gerd Schwandner angestoßene China-Initiative zurück. Sein Nachfolger Jürgen Krogmann hat als Amtsinhaber die Weichen für eine intensivere Kooperation mit ausgewählten Partnern gestellt. Während einer Oldenburger Delegationsreise unter Krogmanns Führung war im April 2016 von Seiten der chinesischen Gastgeber in Xi’an der Wunsch geäußert worden, eine offizielle Städtepartnerschaft einzugehen. Diesem Ansinnen hat der Oldenburger Stadtrat am 26. September 2016 mit einstimmigem Votum entsprochen.

Seit Beginn der China-Initiative hat die Stadt Oldenburg im Reich der Mitte ein hohes Ansehen gewonnen. Als Schnittstelle, um Beziehungen auf wirtschaftlicher, wissenschaftlicher, kultureller oder politischer Ebene zu betreuen, fungiert das China-Büro im Rathaus. Die Stadt Oldenburg sieht sich gut positioniert, um von den wirtschaftlichen Potenzialen der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit zu profitieren.

Oldenburgs China-Initiative stelle in Deutschland eine Vorreiterrolle dar, worauf auch die häufigen Anfragen aus anderen bundesdeutschen Städten verweisen. Oldenburg genießt auch in China eine weit über die Region der Partnerstadt hinausgehende Bekanntheit, was auf die vielfältigen wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Kontakte zurückzuführen sei. 

Chinesisch wird neuerdings auch an der BBS Wechloy in der Außenhandelsklasse sowie an der Carl-von Ossietzky-Universtität gelehrt. 

 

Fotos: H. Dittrich

Text: L. Hillmann