Gehen ging gegangen - aber wohin ...?

Gehen ging gegangen - aber wohin ...?

Der Deutsch-Leistungskurs hat im Unterricht nicht nur den Roman Gehen ging gegangen (Jenny Erpenbeck, 2015) gelesen, analysiert und literaturwissenschaftlich interpretiert, sondern auch szenisch inszeniert. Vor großem Publikum führte der Kurs, der von Sabine Conrad geleitet wird, in der AGO-Aula die verdichtete Dramatisierung auf.

Erpenbecks Roman hat die ‚Flüchtlingskrise‘ zum Thema. In ihrem Roman, der auf realen Begebenheiten beruht, begegnen sich in Berlin Flüchtlinge unterschiedlicher Herkunftsländer und Berliner Bürger mit unterschiedlichem Interesse und verschiedenen Haltungen gegenüber dem Flüchtlingsthema.  Im Zentrum des Romans steht der emeritierte Professor Richard, der zunächst eher zufällig Flüchtlingen gegenübersteht, die auf dem Berliner Oranienplatz ein Camp eingerichtet haben. Richard stellt sich in fast akademischer Manier den ihm fremden Menschen und ihren Flucht- und Asylgeschichten. Mit Richard lernen auch die Rezipienten die geflüchteten Menschen kennen: Awad, Rashanti, Osarobo und andere. Aber auch Freunde aus Richards privatem Umfeld treten auf und zeigen ihre Haltung zu Richards konkreten Unternehmungen und auch zur Flüchtlingsthematik allgemein.

In der Inszenierung werden die drei Personengruppen – Flüchtlinge, Richard, Bevölkerung – in den Fokus gerückt. Es gibt direkte Begegnungen, Beurteilungen aus der Ferne, Kommentare. Als Zuschauer ist man schockiert von den Fluchtgeschichten der Asylsuchenden, einigen Äußerungen der Bürger, aber entwickelt auch eine Sensibilität für die Relevanz von gesellschaftlicher und individueller Verantwortung für humanitäre Hilfe.

Der Kurs hat eine beeindruckende Inszenierung zu einem komplexen Roman entwickelt und gezeigt.


 

Text und Fotos: Angelika Feldhege