„Gehören Juden heute zu Deutschland?“

rechts: Arye Sharuz Shalicar

Diese Frage stellt Arye Sharuz Shalicar in seinem jüngsten Buch „Der neu-deutsche Antisemit“ den Schülerinnen und Schüler in der Aula des Alten Gymnasiums Oldenburg. Der Autor war der Einladung der Deutsch-Israelichen Gesellschaft gefolgt.

Arye Sharuz Shalicar wurde 1977 als Sohn jüdischer Eltern, die vor Verfolgung aus dem Iran geflohen waren, in Göttingen geboren. Er wuchs in Berlin auf. Als Schüler erlebte er dort immer wieder anti-semitische Angriffe und Diskriminierungen von muslimischen Jugendlichen. Nach dem Abitur entschloss er sich, Deutschland zu verlassen, um in Israel in Sicherheit als Jude leben zu können. Er studierte an der Hebrew University in Jerusalem Internationale Beziehungen, Nahost- und Europastudien. Von 2009 bis 2016 fungierte er als Sprecher der israelischen Armee. Seit 2017 ist er Direktor für Auswärtige Angelegenheiten im Ministerium für Nachrichtendienst im Büro des israelischen Ministerpräsidenten.

Arye Sharuz Shalicar ist weiterhin ein kritischer Beobachter der deutschen Gesellschaft und schreibt als Kritiker der deutschen Nahost-Berichterstattung regelmäßig Kolumnen für die NWZ.

Was sein Vater damals sagte, hat Shalicar 2010 in seinem Buch „Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude“ aufgeschrieben: „Eins musst du wissen und dein ganzes Leben zumindest im Hinterkopf behalten: Du bist ein Jude, und die ganze Welt hasst dich!“

In seiner Lesung aus dem jüngsten Buch „Der neu-deutsche Antisemit“ trug Arye Sharuz Shalicar seinen Werdegang vom Sprayer aus dem Wedding zum israelischen Offizier vor. Sein Buch ist eine Abrechnung mit dem aufflammenden Antisemitismus in Deutschland – knapp 75 Jahre nach dem Ende des Holocaust

Shalicar beschreibt den alten und den neuen Antisemitismus von muslimischen Migranten, den er am eigenen Leib erfahren hat. Er beschreibt den linksradikalen und den rechtsradikalen Antisemitismus, den von Menschen, die ihren Judenhass als „Israel-Kritik“ verkleiden, den ganz alltäglichen – und auch den christlichen.

Fazit seiner „persönlichen Analyse“ (Untertitel), ob Juden heute zu Deutschland gehören, lautet: „Ja, aber“. Das „aber“ scheint aber wieder größer zu werden.

Das Alte Gymnasium pflegt seit Jahren einen regen Schüleraustausch mit dem Landkreis Mateh Asher im Norden Israels in Galiläa. Als 2006 der Bürgermeister Mateh Ashers Oldenburg besuchte, wurden AGO Schüler eingeladen, gemeinsam mit der israelischen Delegation eine Friedenseiche im Stadtwald zu pflanzen. Bei dieser Gelegenheit sprach der Bürgermeister Yehuda Shavit eine Einladung aus, die seinerzeit Jörg Witte dankend annahm. Dieses Ereignis kann als Grundstein des Israel-Projektes am AGO betrachtet werden.

Seit 2007 hat sich im Curriculum des Alten Gymnasiums das Seminarfach Israel etabliert.

In dem zweijährigen Oberstufenkurs werden wissenschaftliche Facharbeiten zum Thema Nahost und Israel geschrieben und eine zweiwöchige Studienfahrt nach Israel und in die Oldenburger Partnergemeinde Mateh Asher vorbereitet und durchgeführt. Die Schülerinnen und Schüler teilen sich dabei auf die palästinensische Schule al-Shaykh Danun und die israelische Partnerschule Cabri Manor High School durchgeführt. Die israelischen und palästinensischen Jugendlichen führen ihren Gegenbesuch im Rahmen des OLMUN-Projektes durch.

Text: Ludger Hillmann

Fotos: Hauke-Christian Dittrich

Die NWZ hat berichtet.