Gelebte Erinnerungskultur am AGO

Gelebte Erinnerungskultur am AGO
Geschichte gibt es nicht nur als Unterrichtsfach in der Schule, auch die Schule hat eine Geschichte. Dies wurde auch am vergangenen Donnerstag deutlich, als das Alte Gymnasium Gäste aus Israel und Großbritannien – auch im Zusammenhang mit dem Erinnerungsgang – begrüßen durfte. Familie Gerson aus Israel, die auf Initiative von Jörg Witte bereits am Mittwoch im Rathaus zur Einweihung eines Erinnerungszeichens empfangen wurde, besuchte am Donnerstag das Alte Gymnasium. Im Beisein von unserem Schulleiter, Herrn Marschhausen, und weiteren Lehrerinnen und Lehrern legte Familie Gerson Blumen am Denkmal für jüdischen Schüler der Schule, die im Holocaust ermordet wurden, nieder. Unter diesen Schüler befand sich auch Paul Gerson. Im Anschluss durften 200 Schülerinnen und Schüler der 10. und 11. Klassen einen bewegenden Vortrag von Gerry Hahlo aus Großbritannien erleben, der über die Vertreibung der Familie Hahlo während der NS-Zeit und über das Leben seines Großvaters und Vaters sprach. Herr Hahlo, der seine Familiengeschichte auch in dem Buch „The Boy on the train“, verarbeitet hat, schilderte eindrücklich die politischen und sozialen Entwicklungen in Oldenburg und Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert am Beispiel seiner Vorfahren und machte an diesem Beispiel auf die Folgen der NS-Herrschaft für die Überlebenden und die Familien bis in die Gegenwart aufmerksam. „Was würden wohl mein Großvater und Vater sagen, wenn sie wüssten, dass der Sohn und Enkel in dem Gebäude einen Vortrag hält, in dem sie früher zur Schule gegangen sind“? – fragte Herr Hahlo das Auditorium, „They would appriciate it!“. Der Vortrag, den Herr Hahlo im Beisein von seiner Frau, seinen Kindern und Enkeln hielt, war auch ein emotionaler Höhepunkt und zugleich ein Plädoyer für mehr Wertschätzung gegenüber und Aufnahmebereitschaft von Flüchtlingen, von Menschen in Not. Denn, so Herr Hahlo – dessen Familie auch die Erfahrung von Flucht und Vertreibung durchmachen musste – Flüchtlinge können eine Gesellschaft in nicht unerheblicher Weise bereichern. Den Schülerinnen und Schülern merkte man ihre Betroffenheit und ihr großes Interesse an der Veranstaltung und der damit verbundenen Thematik deutlich an. Über den ganzen Vortrag hinweg war es in der Aula außergewöhnlich ruhig.
Für dieses eindrückliche Erlebnis sei den Familien Gerson und Hahlo, und auch den Organisatoren, insbesondere Herrn Munderloh und Herrn Witte, ganz herzlich gedankt.
Text: M. Drüding
Fotos: N. Lehmann