Landespreis für AGO-Nachwuchshistoriker

Foto: Keno Seefeldt

Vier Monate intensiver Forschung haben sich gelohnt: Beim diesjährigen Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten wurde ein Team des Alten Gymnasiums in die Gruppe der 29 Landessieger aufgenommen. Jasper Siegert und Florentin Seifert erhalten auf einem Festakt in Hannover am 10. August 2017 von dem Präsidenten des Niedersächsischen Landtages und der Niedersächsischen Kultusministerin die Auszeichnung sowie ein Preisgeld von 250 Euro.

Die beiden Elftklässler hatten sich im Winter 2016/17 unter dem vorgegebenen Oberthema „Gott und die Welt. Religion macht Geschichte“ mit dem Stedinger Kreuzzug und seiner Ideologisierung im „Dritten Reich“ beschäftigt. Dabei ging es um Folgendes:

In dem Bestreben, seinem Herrschaftsanspruch über Stedingen Geltung zu verschaffen, bediente sich der Bremer Erzbischof Gerhard II. des Mittels der Verketzerung der Stedinger, nachdem vorhergegangene Versuche, die Bauern mithilfe seiner Verbündeten, der Grafen von Oldenburg, unter seine Herrschaft zu bringen, gescheitert waren. Indem er ihre Verketzerung bei Papst Gregor IX. durchsetzte, gelang es Gerhard, eine Streitmacht von kriegserfahrenen Adeligen hinter sich zu versammeln, die die Stedinger nach einem zweijährigen Kreuzzug in der Schlacht bei Altenesch 1234 niederwarf. Anhand dieses historischen Beispiels sowie der Geschichte seiner Rezeption und Interpretation haben Jasper und Florentin untersucht, inwieweit die christliche Religion einerseits politische Prozesse des Mittelalters prägte, andererseits zur Legitimation von politischen Forderungen und Prozessen bis in die Gegenwart hinein eingesetzt wurde. Dabei traten durchaus bizarre Deutungen der Vergangenheit zutage: Aus dem Bild des deutschen Kaiserreichs von 1871, das die Stedinger als heldenhafte Kämpfer der nationalen Sache gegen die katholische Kirche darstellte, entwickelte sich im „Dritten Reich“ eine rassistische Interpretation, die die „arischen“ Stedinger, angeblich Vertreter des „reinen Deutschtums“, als Kämpfer gegen die „landfremde“ Herrschaft eines Adels verstand, der durch eine jüdische Verschwörung in der katholischen Kirche gelenkt worden sei – absurder geht die Umdeutung von Geschichte kaum.

Für Dr. Matthias Hengelbrock, Latein- und Geschichtslehrer am Alten Gymnasium und zugleich Fachberater für Geschichte bei der Landesschulbehörde, ist das exzellente Ergebnis seiner Schüler eine erfreuliche Bestätigung seines didaktischen Anliegens: „Kompetenzorientierung, wie sie momentan in aller Munde ist, kann nur gelingen, wenn sie erkennbar an bestimmte Inhalte geknüpft ist. Die 50seitige Wettbewerbsarbeit von Jasper und Florentin ist ein Musterbeispiel dafür, wie Form, Inhalt und Methode eine Einheit bilden. Davon kann mancher Student gewiss noch einiges lernen.“