„Man Drup – Man To“

„Man Drup – Man To“

Studien- und Berufsorientierung: Videokonferenz mit dem Stab der Panzerdivision Oldenburg –

Im Rahmen der Studien- und Berufsorientierung in der 11. Jahrgangsstufe erfolgte am Mittwoch, 14.04.2021, eine Videokonferenz mit dem Chef des Stabes der Panzerdivision Oldenburg Oberst i. G. Thorsten Alme.

Am Beispiel der 1. Panzerdivision stellte Thorsten Alme die Aufgaben der Bundeswehr dar. 

So leiste die BW im Rahmen des Corona-Einsatzes aktuell mit über 8.000 Soldaten Amtshilfe. In einem historischen Rückblick ging er auf die Tradition der Bundeswehr ein und begründete, warum die Kaserne in Oldenburg nach dem Widerstandskämpfer Henning von Tresckow (1901 – 1944) benannt wurde. Seit den 50er Jahren bemühe sich die Bundeswehr um den Aufbau einer neuen Tradition, die sich bewusst von der Tradition zur Wehrmacht absetze. Der Bruch in der Tradition sei eine folgerichtige historische Zäsur.

Oberst Alme trat mit dem Anspruch an, einen 360-Grad-Rundblick zu vermitteln. Dabei wurde die Aufgabe der BW in der Landes- und Bündnisverteidigung im Rahmen der Nato und der EU eingehend und sehr informativ erläutert. Wenig bekannt dürfte die multinationale Zusammenarbeit besonders mit den Niederlanden, mit Großbritannien und Polen sein. Die gute Zusammenarbeit zeige sich auch in der gegenseitigen Unterstellung von Truppenteilen, was es in dieser Form nicht in anderen Ländern vorkäme. 

Laufbahn und Werdegänge

Oberst Alme stellte am eigenen Lebenslauf seinen Werdegang bei der BW dar. Er selbst kam 1986 nur auf Umwegen zur Bundeswehr. Da er aus Berlin käme, konnte er aufgrund des Viermächtestatus dort keinen Wehrdienst ableisten. Er ging deshalb zum Grundwehrdienst nach Braunschweig. Für Oberst Alme ist Oldenburg lediglich ein Arbeitsschwerpunkt, während seine Familie in Berlin lebt. Am Beispiel des Offiziersanwärters zeigte er die Karrieremöglichkeiten eines Rekruten mit Abitur auf. Auf eine 15monatige militärische Ausbildung würde der Offiziersanwärter schrittweise dazu angeleitet, Verantwortung für andere zu übernehmen, wobei die zu führenden Gruppen und Einheiten im Laufe der Ausbildung immer größer würden. Führungsqualitäten zu erlernen, sei eine der wichtigsten Aufgaben in der Ausbildung. 

Auf Fragen der Schüler zur Ausbildung und zum Studium verwies er auf die beiden Bundesswehrhochschulen in Hamburg und München, wo Studenten bei vollem Gehalt in Trimestern ihr Studium absolvieren könnten. Nur die medizinische Ausbildung erfolge an zivilen Medizinhochschulen. 

Eine weitere Frage bezog sich auf die umstrittene Amnestie-Aktion beim KSK der Bundeswehr, die strafrechtliche Ermittlungen gegen KSK-Kommandeur Kreitmayr zur Folge hatte. Hintergrund dieser Amnestie-Aktion war eine groß angelegte Sammelaktion von Munition im Frühjahr 2020, wobei Soldaten des KSK im baden-württembergischen Calw Munition, die sie zuvor entwendet oder nach Schießübungen nicht zurückgegeben hatten, straffrei zurückgeben konnten. Was auf den ersten Blick als zielführende Maßnahme erscheint, wird für den KSK-Kommandeur nun zum Problem: Denn in den sogenannten Amnestieboxen landeten auch Gegenstände, deren Unterschlagen oder undokumentierter Besitz strafrechtliche Ermittlungen hätten nach sich ziehen müssen. Dazu kam es allerdings nicht. Oberst Alme betonte die sehr wichtige Arbeit der KSK, die eigens für spezielle Aufgaben gegründet worden sei. Die Absolventen durchliefen eine besonders anspruchsvolle Ausbildung und verfügten über entsprechende Fähigkeiten, die in der Truppe so nicht zu finden seien. Dies bezöge sich besonders auf die körperlichen und waffentechnischen Qualifikationen. Die Staatsanwaltschaft habe nun die Frage zu klären, ob die Regelung des Kommandeurs der KSK eine Strafverfolgung vereitelt habe. Oberst Alme begrüßte aber die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, da dies für Klarheit in der Truppe sorgen würde. 

Eine weitere Frage bezog sich auf die veränderte Rekrutierungslage nach Aussetzung der Wehrpflicht. Hier betonte der Referent, dass sich zwar die Bewerberlage deutlich verändert habe, da man früher die Soldaten geschickt bekam, während man heute um sie werben müsse. Den Personalmangel würde man aber mit der Verlängerung der Wehrdienstzeit zu begegnen versuchen. 

Auch das Anforderungsprofil würde sich deutlich ändern, da die zukünftigen Konflikte der Bundeswehr im Bereich der Cyberkonflikte und der autonomen Waffensysteme zu suchen seien. Hierzu benötige man Informatiker, die auch in anderen Teilen der Wirtschaft und Verwaltung gesucht würden. Die Ablehnung der Einführung von autonomen Waffen durch bundesdeutsche Politiker erklärt Oberst Alme mit der Einstellung, wonach der Waffeneinsatz immer eine menschliche Entscheidung sei. 

Nach einer Stunde musste Oberst Alme die Videokonferenz verlassen, da eine Etage tiefer die nächste Videoschaltung mit Berlin auf ihn wartete. Die ersten Reaktionen der Schülerinnen und Schüler im Nachmittagsunterricht fiel sehr positiv aus, wobei besonders der hohe Informationsgehalt des Vortrages gewürdigt wurde. 

Ludger Hillmann