Studienfahrt nach Berlin

Studienfahrt nach Berlin

Nach fast dreijähriger Zwangspause war es endlich wieder so weit, die Bundeshauptstadt Berlin zu besuchen. Nahezu alle Schülerinnen und Schüler des 11. Jahrgangs nahmen an dieser Studienfahrt teil. Auf dem Programm standen neben dem Besuch des Reichstages und anderer Regierungsgebäude auch Besichtigungen von weltbekannten Sehenswürdigkeiten wie dem Brandenburger Tor, der East Side Gallery oder dem Holocaust Denkmal am Potsdamer Platz. 

 

Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen 

Ein Bericht von Benedikt Klose

Am Sonntag, 26. Juni 2022, startete unsere Studienfahrt nach Berlin. Direkt nach der Ankunft um 14 Uhr hieß unser erster Stopp „Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Die Gedenkstätte in der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt der Stasi informiert über den Gefängnisalltag der politisch Verfolgten in der DDR. 

Zur Einführung in den Besuch schauten wir einen Film mit Originalaufnahmen über die Anstalt mit ihrer wechselhaften Geschichte sowohl im Dritten Reich als auch während der deutschen Teilung. Die anschließende Führung durch große Teile der Gebäude, welche fast unversehrt erhalten geblieben sind, vermittelte ein realistisches Bild von der Haftanstalt. Unsere Gruppenleiterin, eine ehemalige politische Gefangene der Staatssicherheit, berichtete über ihren langen Aufenthalt in diesem Staatssicherheitsgefängnis und die psychischen Belastungen, denen die Gefangenen täglich ausgesetzt waren. Besonders eindrucksvoll waren ihre persönlichen Erlebnisberichte über die täglichen Schikanen und perfiden Verhöre. Verbunden mit der Unentrinnbarkeit aus dem Regime vermittelten ihre Erzählungen ein bedrückendes Bild aus der Zeit der innerdeutschen Teilung.

Besuch im Brechttheater: Das Berliner Ensemble

Am Sonntagabend besuchten wir das Berliner Ensemble. Auf dem Programm stand das Theaterstück „Hexenjagd“ von Arthur Miller. Es wurde erstmals 1953 am Broadway in New York aufgeführt und beschäftigt sich mit dem historischen Ereignis der Hexenverfolgung in der Stadt Salem in Massachusetts. 

Der Plot: In einer kleinen puritanischen Siedlung erkranken mehrere Mädchen an einer mysteriösen Krankheit. Bald darauf verfällt die ganze Stadt in eine Hysterie und es werden immer mehr Bürgerinnen und Bürger der Hexerei verdächtigt, angeklagt und schließlich auf grausame Weise hingerichtet. Die Handlung basiert auf den wahren Begebenheiten der Hexenverfolgung in Salem. Die tragische Massenhysterie in Salem war die größte Hexenjagd in der Geschichte der USA. 

Arthur Miller hat „Hexenjagd“ als eine Reaktion auf die Beschuldigungen von Künstlern in der McCarthy-Ära verfasst. Viele politisch linksgesinnte Intellektuelle und Künstler wurden damals verdächtigt, dem Kommunismus nahezustehen, was als staatsfeindliches Verhalten aufgefasst wurde. Die schwarzen Listen, die damals von Politikern und Entscheidungsträgern geführt wurden, erinnerten Miller an die Hexenverfolgungen. Arthur Miller will zeigen, wie schnell eine Massenhysterie in der Gesellschaft ausbrechen und was für verheerende Folgen sie haben kann. Er benutzt den historischen Bezug der Hexenverfolgung in Salem, um auf die Verfolgung von politisch Andersdenkenden zu reagieren.  

Durchführung einer Simulationssitzung im Bundesrat 

Von Tom Schirbel

Nach einem frühen Frühstück im „a&o-hostel“ in Berlin Mitte fuhren wir mit der Linie U2 zum Bundesrat in der Leipziger Straße. 

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An diesem Vormittag nahmen wir an einer Simulation einer Bundesratssitzung zum Gesetz des Schwangerschaftsabbruches in Deutschland teil. Dazu wurden die Schülerinnen und Schüler des Jahrganges in die verschiedenen 16 Bundesländer aufgeteilt. Von jedem Bundesland sagte eine Person etwas zu dem Gesetz, und stimmte dem Gesetz zu, lehnte es ab oder schlug Änderungen vor. Am Ende kamen wir zu dem Entschluss, dass das Gesetz zum Schwangerschaftsabbruch unverändert bleiben sollte. Während der Bundestagssitzungen werden nur Statements abgegeben, welche nicht im Plenum diskutiert werden. Dabei dürfen Fragen zu den verschiedenen Statements gestellt werden. Während jemand seine Position vertritt, ist es nicht erlaubt Kommentare einzuschieben oder reinzurufen. Auch am Ende ist es für gewöhnlich so, dass nicht applaudiert wird.

Der für den Nachmittag vorgesehene Besuch der Glaskuppel im Bundestag wurde auf den Abend verlegt, da sich die Stadt schon auf 38 Grad aufgeheizt hatte. Die Aktivitäten wurden nun spontan an die Spree oder in die Parks verlegt. 

Der Bundestag

Am Dienstag, den 28. Juni um 10 Uhr, besuchten wir das Abgeordnetenbüro von Dennis Rohde im Paul-Löbe-Haus. Da der Abgeordnete Dennis Rohde in dieser sitzungsfreien Woche nicht in Berlin weilte, sondern in seinem Wahlkreis Oldenburg/Ammerland arbeitete, sprang seine Mitarbeiterin Aischa Sophie Jansen ein. Sie arbeitet seit 2021 als studentische Mitarbeiterin im Berliner Büro des Abgeordneten und ist im Bereich Kommunikation und Social Media tätig und mitverantwortlich für die Berliner Büroorganisation. Sie studiert aktuell an der Freien Universität „Medien und Politische Kommunikation“ und nutzt die Chance, das dort erworbene theoretische Wissen im politischen Alltag praktisch umzusetzen.

Da Dennis Rohde Ausschussvorsitzender des Finanzausschusses des Bundestages ist, zeigte sie uns die typische Arbeit in diesem Ressort. Im Anschluss bot sie den Schülerinnen und Schülern im Sitzungssaal die Möglichkeit Fragen zu stellen, was auch ausgiebig genutzt wurde. Schließlich drehte Frau Jansen den Spieß um und stellte den Jugendlichen Fragen zum aktuellen Erscheinungsbild der Ampel-Koalition, fragte nach der Beliebtheit politischer Akteure und von welchen Personen die Schülerinnen und Schüler positiv oder auch eher negativ überrascht seien. 

Nach der Sitzung mussten wir von Berlin Abschied nehmen. Dabei wären wir gern noch gern länger geblieben.