Leitlinien

Büste Rudolf Bultmanns und Blick aufs AGO
Büste Rudolf Bultmanns und Blick aufs AGO

Die Beteiligten des Alten Gymnasiums haben Leitlinien entwickelt, die im Schulprogramm ihre Ausformung finden. Sie stellen die Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt und dienen als Richtweg des Miteinanders unseres Schullebens.

Leitlinie: „… wagen und bewahren“
Leitlinie: „… die Menschen stärken“
Leitlinie: „… Vielfalt fördern“
Leitlinie: „… Musik machen, Theater spielen, Sport treiben“
Leitlinie: „… Fremdes vertraut machen“
Leitlinie: „… die Welt in die Hand geben“
Leitlinie: „… Räume öffnen“
Leitlinie: „… von anderen lernen“

Leitlinie: „… wagen und bewahren“

Das Alte Gymnasium blickt auf eine mehr als 400 Jahre lange Tradition zurück. Im Laufe der Geschichte hat die Schule sich immer wieder Veränderungen in der pädagogischen Ausrichtung und in der Organisationsform gestellt, und dennoch hat das Alte Gymnasium seine besondere Stellung in der Oldenburger Schullandschaft behalten. Mehr noch als andere Schulen will das Alte .Gymnasium, wenn Diskussionen über Neuerungen anstehen, sich an der Geschichte der Schule orientieren und seine historische Besonderheit auch als Verpflichtung gegenüber der Gegenwart begreifen. Einen guten Weg zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu finden, wird immer wieder Aufgabe der Angehörigen des Alten Gymnasiums – der Schülerinnen und Schüler, der Eltern und der Lehrkräfte – sein. Da das Alte Gymnasium nicht nur eine alte Schule ist, sondern auch in einem historischen Gebäude beheimatet ist, wird sich auch weiterhin die Aufgabe ergeben, die Architektur zu schützen und zugleich die Klassen- und Fachräume stets aktuellen Unterrichtsmethoden und Medien anzupassen.

Leitlinie: „… die Menschen stärken“

Die Gesellschaft wandelt sich immer schneller, und die Erwartungen an junge Menschen nehmen zu. Angesichts dieses Drucks sollen die Schülerinnen und Schüler des Alten Gymnasiums in einer Atmosphäre, die von wechselseitiger Achtung geprägt ist, in ihren Talenten gefördert werden, für ihre Schwächen soll ihnen Hilfe angeboten werden, und sie sollen dazu ermutigt werden, ihr Potenzial auszuschöpfen. Die Schülerinnen und Schülern sollen nicht nur fachliche Kenntnisse erwerben, sondern auch eigene Fähigkeiten zu methodischem, organisiertem Lernen entwickeln und stärken, nicht nur, damit die schulischen Anforderungen bewältigt werden können, sondern auch, um den Grund für Studienerfolg und ein erfüllendes Berufsleben zu legen. Konzepte und Maßnahmen, die Selbstmotivation und Selbstorganisation stützen und erhöhen, müssen von der Schule entwickelt werden; darin müssen die Förderung von Lernstrategien, Arbeitstechniken und Methodenkenntnis zentral stehen. Auch müssen die Schülerinnen und Schüler ermuntert werden, ihre Fortschritte und das Erreichte ständig zu überprüfen. Eine wesentliche Aufgabe der Schule ist es, Schülerinnen und Schüler mit Leistungs-schwächen zu fördern und zu stärken. Dazu entwickelt die Schule ein Förderkonzept, das von der Bereitstellung von Förderstunden über Hausaufgabenbetreuung und Schüler-Schüler-Nachhilfe bis zur Einwerbung von Außenkompetenz reicht. Ein entsprechendes Konzept wird auch für besonders leistungsstarke Schülerinnen und Schüler entwickelt. Die Schule muss bestrebt sein, angemessene Sachvoraussetzungen und adäquate Arbeitsmöglichkeiten für Schülerinnen und Schüler und für Lehrkräfte bereitzustellen. Ziel der Schule ist es, Schülerinnen und Schülern ausreichend Raum zu geben, Selbstbewusstsein zu entwickeln, ihr Selbstwertgefühl zu stärken und Sozialkompetenz aufzubauen. Präventionskonzepte und -maßnahmen helfen den Schüle-rinnen und Schülern, einen geeigneten Weg zu finden. Die Schule will junge Menschen dazu befähigen, sich in der Gesellschaft kompetent zu bewegen und zu betätigen, besonders auch, aktiv am Leben einer demokratischen Gesellschaft teilzunehmen. Die Schule muss, ohne das Gebot politischer Neutralität zu verletzen, alle Mitwirkungsmöglichkeiten nach innen und außen fördern, und das heißt, möglichst weitgehend die gesamte Schülerschaft an Entscheidungen zu beteiligen, der Schülervertretung Betätigungsmöglichkeiten einzuräumen und Unterstützung zukommen zu lassen und gesellschaftliche Aktivität nicht zu behindern.

Leitlinie: „… Vielfalt fördern“

Das Alte Gymnasium versteht sich als eine Schule, die Bewährtes erhalten und fortführen möchte und die Neuem gegenüber offen ist. Im Schulprofil zeigt sich dieser Doppelansatz darin, dass die traditionelle Akzentuierung des Sprachenlernens neben einer Neubewertung der Naturwissenschaften steht, die zwar auch in der Vergangenheit nie als unwichtig betrachtet wurden, aber im allgemeinen Bewusstsein nicht als für das Alte Gymnasium charakteristisch galten. Als neues profilbildendes Element ist der Bereich „Wirtschaft“ hinzugetreten. Des Weiteren stellen die ausgefächerten musikalischen Aktivitäten in ihrer Vielfalt und Umfänglichkeit eine Besonderheit in der niedersächsischen Schullandschaft dar und müssen unbedingt erhalten werden. Im Sprachbereich muss die Schule bemüht sein, ein möglichst breites Angebot vorzuhalten und das in der Vergangenheit erfolgreiche Drei-Sprachen-Modell weiterzuentwickeln. Lateinunterricht, Keimzelle der Schule, sollte auch in Zukunft als eine wesentliche Aufgabe des Alten Gymnasiums betrachtet werden. Wo irgend möglich, sollte auch die Griechisch-Tradition der Schule am Leben gehalten werden. Die „neuen“ Fremdsprachen Französisch und Spanisch bedürfen besonderer Sorgfalt und Aufmerksamkeit, damit sie einen angemessenen Platz im Angebot der Schule einnehmen und bewahren können. Für die Naturwissenschaften sollen besondere Angebote – als Arbeitsgemeinschaft in den Jahrgängen 5 und 6, als Wahlpflichtangebot in den Jahrgängen 7 bis 9 und als Schwerpunkt in der Oberstufe – bereitgestellt werden; Schülerinnen und Schüler sollen durchgängig von Klasse 5 bis zum Abitur einen naturwissenschaftlichen Akzent in ihren unterrichtlichen und außerunterrichtlichen Aktivitäten setzen können. Wirtschaftslehre soll im Wahlpflichtbereich der Jahrgänge 7 bis 9 verankert bleiben und als Schwerpunktfach in der Oberstufe angeboten werden. Die Vielfalt musikalischer Praxis am Alten Gymnasium – dazu gehören die zahlreichen Musikensembles ebenso wie das Angebot einer Streicherklasse in den Jahrgängen 5 und 6 – bedarf intensiver Pflege, auch in personeller Hinsicht. Für alle genannten Profilschwerpunkte müssen von der Schule die sächlichen und personellen Voraussetzungen gewährleistet werden.

Leitlinie: „… Musik machen, Theater spielen, Sport treiben“

Gemeinsam zu musizieren, miteinander Theater zu spielen, zusammen mit anderen Feste zu begehen und sich im sportlichen Wettkampf zu üben stellt einen hohen pädagogischen Wert für den Einzelnen wie für die Schulgemeinschaft insgesamt dar. Die Erlebniswelt der Schülerinnen und Schüler wird dadurch bereichert, und der schulische Unterricht wird um Leistungen ergänzt, die außerhalb der Bewertung stehen und gestalterische Fähigkeiten ins Zentrum rücken. Den Beteiligten die gebührende Anerkennung zu zollen und die erbrachten Leistungen wertzuschätzen, ist Aufgabe der Schule. Darüber hinaus macht die Schule es sich zur Aufgabe, in den Bereichen Sport, Musik, Theater, Literatur ein breites Angebot vorzuhalten bzw. zu schaffen. Alle auf diesen Feldern betriebenen Aktivitäten genießen das besondere Wohlwollen und die besondere Unterstützung der Schule. Dazu zählen Sportturniere, Sportarbeitsgemeinschaften, Musikveranstaltungen, Chor- und Orchesterfahrten, Theaterspielen und Theaterbesuche, das Literaturcafé, aber auch Gemeinschaftsunternehmungen wie Schulfeste, Schulfahrten, Projektwochen.

Leitlinie: „… Räume öffnen“

Das Alte Gymnasium versteht sich als eine Schule, die ihre Türen offen hält: offen für die eigenen Schülerinnen und Schüler, die hinaustreten und die Außenwelt als Ort erfahren, an dem sie selbst aktiv werden können, und offen für Außenstehende, die eingeladen sind einzutreten, gleich, ob sie einen Beitrag zum Unterricht liefern oder ob sie schlicht die räumlichen Möglichkeiten der Schule für ihre Zwecke nutzen wollen. Die Schule darf sich nicht auf den bequemen Weg der Abschottung begeben: Sie muss darauf bedacht sein, die innerschulische Kommunikation zu fördern; darüber hinaus muss sie sich offen zeigen für Informationsverlangen von außen und selbst aktiv mit ihren Anliegen in die Öffentlichkeit treten. Alle Schüler-, Eltern- und Lehrerinitiativen, die der Öffnung von Unterricht gelten, müssen einer wohlwollenden Aufnahme durch die Schulleitung gewiss sein dürfen. Betriebserkundungen, Vor-Ort-Studien in der Stadt Oldenburg und die Erschließung des reichen lokalen und regionalen Museumsangebots für schulische Zwecke gehören ebenso dazu wie Vortrags- und Seminarveranstaltungen in der Schule. In der Öffentlichkeit muss die Schule als präsent erlebt werden – sie muss intensiven Kontakt zu Presse und Rundfunk halten; ihr Internet-Auftritt muss sich durch hohen Informationsgehalt, durch Aktualität und durch ein gutes Serviceangebot auszeichnen. Die Beteiligung der Schule bzw. einzelner Schülerinnen Schüler an Wettbewerben gehört zu den Zielen der Schule und wird von der Schulleitung angemessen gefördert.

Leitlinie: „… von anderen lernen“

Schule kann sich in der heutigen Zeit nicht selbst genug sein – auch wenn sich in ihr ein hohes Maß an Expertentum findet, ist auch die Expertise anderer gefragt, wenn es darum geht, neue, andersartige Sicht- und Verfahrensweisen kennenzulernen und in den Bildungs- und Erziehungsprozess einzubeziehen und so die eigene Kompetenz zu erweitern. Die in der Universität Oldenburg, in der Fachhochschule Oldenburg-Ostfriesland-Wilhelmshaven und im Delmenhorster Hanse-Wissenschaftskolleg versammelte Kompetenz für die schulischen Belange des Alten Gymnasiums noch umfassender nutzbar zu machen muss ein dauerhaftes Anliegen der Schule sein. Die schon bestehenden Kooperationsvereinbarungen ebenso wie die informellen Kontakte zu den Wissenschaftsinstitutionen sind fortzuführen und, wo möglich, noch weiter auszubauen. Das gilt in Sonderheit auch für die Studienberatung, die von den lokalen Hochschulen vorgehalten wird und an der die Schülerinnen und Schüler des Alten Gymnasiums systematisch beteiligt werden sollen. Auch von anderen Einrichtungen angebotene Studien- und Berufsberatung und ein Bewerbungstraining sollen nach den Möglichkeiten der Schule in den Unterricht einbezogen oder an außerschulischen Lernorten wahrgenommen werden. Schülerinnen und Schüler müssen Gelegenheit erhalten, in der Berufswelt auch praktische Erfahrungen zu gewinnen. Betriebspraktika spielen dabei die zentrale Rolle; ergänzend sollten auch der Zukunftstag und weitere Aktionstage ins Programm genommen werden. Überdies sollte die Überlegung angestellt werden, ob neben dem verpflichtenden Berufspraktikum nicht ein weiteres Praktikum, ausgestaltet als Sozialpraktikum, von der Schule organisiert werden kann. Die lokalen Hochschulen sind ein wesentlicher Faktor auch in der Organisation von Lehrerfortbildung, die in einem Fortbildungskonzept zu systematisieren Aufgabe der Schule ist. Neben den Hochschulen und kommerziellen Fremdanbietern spielt hier eine starke Rolle auch die interkollegiale Fortbildung durch Lehrkräfte des Alten Gymnasiums und anderer Schulen. Das Alte Gymnasium könnte auf diesem Sektor die Rolle eines Fortbildungszentrums übernehmen.

Leitlinie: „… Fremdes vertraut machen“

Über die Fremdsprachen dringen Schülerinnen und Schüler in unbekannte Milieus ein; im Erdkunde-, Geschichts- und Politikunterricht machen sie sich mit fremden Lebensbedingungen und Denkweisen vertraut und setzen sich damit auseinander: So gewinnen die Schülerinnen und Schüler Möglichkeiten, sich dem Fremden zu nähern und für sich Orientierungspunkte zu gewinnen, wobei historische Aspekte ebenso wie die Gegenwartsperspektive eine Rolle spielen müssen. Die durch Andersartigkeit ausgelöste Irritation zu ertragen, als Problem nicht zu verdrängen, aber auch als Bereicherung zu erfahren sollen die Schülerinnen und Schüler ebenso wie Lehrerinnen und Lehrer und Eltern miteinander lernen und praktizieren. Verantwortung für andere, für Fremde zu übernehmen ist dabei stets ein mitgedachter Wunsch. In der schulischen Praxis können solche Ziele dadurch angestrebt werden, dass alle Formen von Erkundungen – sei es im Nahraum oder in der Ferne bei Klassenfahrten, Studienfahrten, Austauschunternehmungen – und von internationalen Begegnungen angemessene Förderung erfahren. Der von der Schule organisierte, durchaus erweiterungsfähige Schüleraustausch (bislang mit Frankreich, zukünftig auch mit Israel) spielt dabei eine herausgehobene Rolle; daneben müssen aber auch besonders die gemeinnützig tätigen Fremdanbieter von Auslandsaufenthalten die Unterstützung der Schule erfahren. Patenschaften für Dritte-Welt-Projekte (z.B. das Goa-Projekt) genießen nicht nur die Sympathie, sondern auch die materielle und finanzielle Hilfe der Angehörigen des Alten Gymnasiums. Das Alte Gymnasium bemüht sich, wie schon in der Vergangenheit an interschulischen europäischen Programmen (Comenius bzw. dessen Nachfolgeprogrammen) teilzunehmen. Eine bessere Einführung in internationale Kooperation als durch die Arbeit an gemeinsamen Projekten ist kaum vorstellbar. Die uneingeschränkte Unterstützung der Schule gilt auch der überschulisch, von Schülern organisierten Veranstaltung Oldenburg Model United Nations (OLMUN), die in vorbildlicher Weise junge Menschen verschiedener Regionen und Nationen zusammenführt und sie ihrer politischen Verantwortung bewusst macht.

Leitlinie: „… die Welt in die Hand geben“

Die Schülerinnen und Schüler des Alten Gymnasiums sollen darauf vertrauen können, dass ihre Schule ihnen mehr als nur eine Form von Weltverständnis anbietet und dass unterschiedliche Sichtweisen tolerante und offene Aufnahme finden. Die Schülerinnen und Schüler sollen in die Lage versetzt werden, sich in der Pluralität der Auffassungen zu orientieren. Voraussetzung für eine solche Weite des Ansatzes ist es, ein breites, vielfältiges Fächerangebot an der Schule aufrechtzuerhalten und die personellen Grundlagen für das Fächerangebot zu garantieren. Von gleicher Bedeutung ist es, dass die Lehrkräfte, die an der Schule tätig sind, über die Grenzen ihres Faches hinauszublicken wissen und bemüht sind, ihren Schülerinnen und Schülern einen ähnlich auf Weite angelegten Blick zu vermitteln.