Vortrag über "Flucht und Vertreibung im Umfeld des 2. Weltkrieges"

Vortrag über "Flucht und Vertreibung im Umfeld des 2. Weltkrieges"
Dr. Weger bei einer Feldforschung in der rumänischen Dobrudscha

Dr. Tobias Weger hielt am 28. Februar 2017 in der AGO-Aula einen Vortrag zum Thema „Flucht und Vertreibung im Umfeld des 2. Weltkrieges“. Der Referent ist Privatdozent an der Universität Oldenburg und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa.

Neben vielen interessierten Besuchern der Veranstaltung waren es insbesondere Schülerinnen und Schüler der Prüfungskurse Geschichte, die sich mit reichlich Vorwissen im Gepäck über die Ausführungen des Fachmannes freuten, da sie bereits in drei Wochen auch zu diesem Themenbereich Abiturprüfungen haben werden.

Dr. Weger machte das Zuhören leicht und zog mit seinen Ausführungen die Gäste in den Bann, weil er einerseits frei referierte, und andererseits nicht nur inhaltlich umfassend, sondern auch sehr anschaulich präsentierte.

Dr. Weger am Ufer der Oder in Breslau/Wroclaw, im Hintergrund die Dominsel mit Kreuzkirche und Dom

Weger kam es in seinem Vortrag darauf an, das Thema Zwangsmigration im Zuge des Zweiten Weltkrieges in den gesamteuropäischen Kontext einzubetten und sich nicht ausschließlich auf die Rolle der Deutschen zu konzentrieren. Ihm gelang es, allgemein gültige Aussagen zum Charakter von gewaltsamen Konflikten zu machen. Mit Blick auf neuere Forschungen zeigte er auf, dass etwa Massenvergewaltigungen in bewaffneten Konflikten mit entfesselter Gewalt, wie es der 2. Weltkrieg war, ein allgemeines Phänomen darstellen und mithin keineswegs nur den sowjetischen Soldaten 1945 eigen waren. Auch die Rolle der nach dem Krieg entstehenden Landsmannschaften gerade im Alltagsleben in der neuen „Kalten Heimat“ (Kossert) beleuchtete Weger am Beispiel der Stadt Oldenburg, die – laut Weger – erst mit den Flüchtlingen und Vertriebenen zu einer „Großstadt wider Willen“ geworden sei.

Der Vortrag von Dr. Weger hat alle Gäste um viele Kenntnisse bereichert. Ganz besonders engagiert waren in der abschließenden Diskussion die Abiturienten, da sie ihre nun noch offenen Fragen an einen wissenschaftlich ausgewiesenen Fachmann richten konnten.

Zu zentralen Themen des Abiturs gibt es am AGO regelmäßig Vorträge, für die immer wieder hochkarätige Referenten gewonnen werden können. Dieses Mal sei Dr. Tobias Weger für sein Kommen und den äußerst interessanten Vortrag gedankt.

Text: Uwe Roeder

Fotos: Weger / privat