Vortrag zur Geschichte der Kartographie am AGO

„Schatzkarten regen die Phantasie sofort an. Jeder fühlt sich in die Rolle von Jim Hawkins aus der Schatzinsel hineinversetzt.“ Mit diesen Worten leitete Wolfgang Crom, Leiter der Kartensammlung der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz zu Berlin, seinen Vortrag vor Schülerinnen und Schülern des 7. Jahrgangs des Alten Gymnasiums am Mittwoch in der Aula der Schule ein. Anschließend berichtete er den interessiert und am Ende des Vortrages nachfragenden Zuhörern von einer Wandmalerei in Catal Höyük in der Türkei, die als älteste Kartendarstellung der Welt gilt, um von dort die Geschichte der Kartographie bis in die Zeit der computergestützten Navigationssysteme aufzuzeigen. Dabei räumte er auf mit dem verbreiteten Vorurteil, dass die Menschen im Mittelalter geglaubt hätten, dass die Erde eine Scheibe sei. Auf die Nachfrage des Schülers Felix, ob denn Piratenkapitäne überhaupt das Wissen gehabt hätten, komplizierte navigatorische Berechnungen auszuführen, machte Crom deutlich, dass viele Kapitäne, von denen Sir Francis Drake der berühmteste gewesen sei, selbstverständlich oft als Offiziere ausgebildet gewesen seien. Er wies auf die Bedeutung des Polarsterns hin, und erläuterte auch den Titel seines Vortrags – Warum der Pirat eine Augenklappe trägt? – mit einer ausführlichen Erklärung der Benutzung eines Sextanten auf See, um mit dessen Hilfe die geographische Lage des Schiffes genau bestimmen zu können. Auf die Besonderheiten der winkelgetreuen Darstellung der Erde nach Gerhard Mercator verwies Crom mit der Bemerkung, dass Alaska in Wirklichkeit natürlich nicht genauso groß sei wie der Rest der Vereinigten Staaten von Amerika. Apropos Amerika. Warum Amerika Amerika heißt, wissen die Schülerinnen und Schüler nun ebenso wie die Geschichte der letzten vorhandenen Waldseemüllerkarte. Auf dieser Karte wurde der Name Amerika zum ersten Mal verzeichnet. Sie fand auf abenteuerlichen Wegen im Jahr 2005 den Weg von Deutschland in die Nationalbibliothek des Kongresses in Washington.

(Fotos: Lennart Kappei, 7. Klasse; Text: Uwe Roeder)