Am 28.05. fand – bei sommerlichen Temperaturen – die Eröffnung der Ausstellung „Deine Anne“ in der Aula des Alten Gymnasiums statt. Nach einer kurzen Eröffnungsansprache von Frau Laustroer, einer der Organisatorinnen dieser Ausstellung, richtete sich zunächst unser Schulleiter mit einer kurzen Rede an die zahlreichen Gäste. Passend zum Anlass und in Erinnerung an die Reichspogromnacht sagte Herr Roeder:
Im Herbst 1938 fand genau hier an diesem Ort eine ähnliche Veranstaltung statt. Anwesend waren die Lehrer und die Schulleitung, alle Schüler – sie passten nämlich alle in diese Aula – und eine von der damals regierenden Partei, der NSDAP, geschickte Delegation, die die Schüler über die sogenannte „jüdische Weltverschwörung” aufklären sollte und dabei alle möglichen antisemitischen Stereotype an die Anwesenden brachte, die damals verbreitet wurden. Ich habe nicht danach gesucht, ob der Inhalt dieser indoktrinierenden Show noch irgendwo greifbar wäre. Darum geht es mir hier heute nicht. (…) Mir geht es um die Schüler, die Lehrer, den Schulleiter. Mir geht es um uns, darum, was das Geschehen damals mit uns heute macht. Einer der anwesenden Schüler war Helmut Goldschmidt, geboren am 14.9.1921, damals 16 Jahre alt, der letzte Schüler jüdischen Glaubens an dieser Schule. Wie muss er sich gefühlt haben angesichts der Hetze, die gegen ihn, gegen seine Familie und gegen seine Glaubensbrüder und -schwestern ausgeschüttet wurde? Lange jedenfalls scheint er es nicht ertragen zu haben. Er sprang auf, rief laut, dass hier lauter Lügen verbreitet würden, die nicht wahr seien, und stürmte aus der Aula. Vermutlich in die Richtung, in der heute ein Denkmal unter anderem auch an ihn erinnert, da er 1942 in den Vernichtungslagern in Osteuropa ermordet wurde.“ Im weiteren Verlauf seiner Rede ging Herr Roeder näher auf die Reaktionen der Schulgemeinschaft auf diesen Vorfall ein, um abschließend den Blick auf unsere Gegenwart zu lenken und seiner Hoffnung Ausdruck zu verleihen, unsere Gegenwart und Zukunft positiv zu gestalten. In diesem Sinne wünschte er abschließend, dass möglichst viele Menschen die Ausstellung besuchen und als Anregung verstehen, sich mit dem Leben in einer Diktatur auseinanderzusetzen und aus dieser Geschichte Lehren für die Zukunft zu ziehen.
Im Anschluss an Herr Roeder richteten die 1. Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Oldenburg, Frau Prof. Dr. Claire Schaub-Moore und Bürgermeisterin Nicole Piechotta ihre Grußworte an die Gemeinde. Dabei würdigten Sie nicht nur das Leben von Anne Frank und ihre literarischen Leistungen, sondern gingen auch auf den Kontext der NS-Zeit, auf damalige und heutige Formen von Antisemitismus und dessen sozialpsychologischen Hintergründe näher ein. Abschließend sprach die Direktorin des Anne Frank Zentrums, Frau Nahm, zu den Gästen. Im Rahmen ihrer Rede lud Sie dabei auch die Schülerinnen und Schüler, die als Peer Guides die Führungen durch die Ausstellung übernehmen werden und in den letzten Tagen von Referenten eigens geschult wurden, zu sich auf die Bühne ein. Die Schülerinnen und Schüler sprachen über ihre Wünsche, aber auch ihre Hoffnungen in Bezug auf die Ausstellung.
Abgerundet wurde diese Eröffnungsveranstaltung durch unser Streicherensemble unter der Leitung von Herrn Heckmann, der dieser Eröffnungsfeier einen musikalischen Rahmen gab sowie von Frau Baumann, die für Speisen und Getränke sorgte.
Am Schluss hatten die Gäste die Möglichkeit, die Ausstellung selbst in Augenschein zu nehmen und in einen gemeinsamen Austausch zu treten.
Wir danken allen Organisatoren, insbesondere Frau Schlegel, Frau Mura und Frau Laustroer, dem VNB, dem Anne Frank Zentrum und unseren geladenen Gästen und Festrednern für diese wirklich gelungene und eindrückliche Eröffnung der Ausstellung.
Text: M. Drüding
Bild: H. Dittrich



