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Lehrer – Journalist – Historiker – Kunstsammler (Ein Nachruf)

Es gibt Menschen, die so viele Felder erfolgreich bearbeiten, dass ihre Tätigkeit gleich für mehrere Leben gereicht hätte. Zu diesen Menschen gehörte auch Jürgen Weichhardt (1933-2025). Das erste dieser Leben verbrachte Herr Weichardt als Lehrer. Fast 30 Jahre war er am Alten Gymnasium tätig, vor allem in den Fächern Deutsch und Geschichte. Als Historiker entwickelte er im Jahre 1973 – zum 400jährigen Jubiläum – gemeinsam mit vielen Kolleginnen und Kollegen auch die erste umfangreichere Festschrift, die sich bereits in dieser Zeit mit dem Thema der jüdischen Schüler und deren Schicksal in der NS-Zeit auseinandersetzte. Für die Erinnerungsarbeit an unserer Schule setzte er also bereits damals Maßstäbe.

Das zweite Leben widmete er dem Journalismus. Zeitgleich zu seiner Tätigkeit als Lehrer schrieb Herr Weichardt immer wieder Artikel und Rezensionen u. a. auch für die NWZ. Sein großes Themenfeld war jedoch die Kunst, der er als Kritiker, Sammler und Kurator von Ausstellungen begegnete. Er gehörte sicherlich zu den ersten, die sich intensiver mit den Arbeiten des Bildhauers Paul Dierkes befassten, der noch heute insbesondere in der Stadt Cloppenburg mit Arbeiten im gesamten Stadtraum präsent ist. Darüber hinaus machte er jedoch – noch während der Zeit des Kalten Krieges – mit der Organisation von Kunstausstellungen zur osteuropäischen Kunst auf sich aufmerksam. Ältere Kollegen, die noch das Glück hatten, mit Herrn Weichardt auf Studienfahrten nach Polen oder in die damalige Tschechoslowakei zu fahren, berichten noch heute über dessen beeindruckende Kenntnisse zu den Exponaten in diversen Kunstmuseen. Insofern konnte es auch kaum erstaunen, dass Herr Weichardt die Führung durch solche Museen mitunter gleich selbst übernahm.
Für seine zahlreichen Verdienste, insbesondere im Bereich der Kunst, erhielt er mehrere Auszeichnungen aus dem In- und Ausland und war zugleich hoch geehrtes Mitglied in verschiedenen Verbänden und Vereinen.

Wie wir erst jetzt erfahren haben, ist Jürgen Weichardt in der vergangenen Woche im hohen Alter verstorben.

Unsere Schule und auch die Stadt Oldenburg haben nicht nur einen verdienten Kollegen, sondern auch einen großen Bürger verloren, dessen Stimme fehlen wird.  

Text: M. Drüding

Bild. H. Dittrich